Ascardia 3 – Kapitel 6
~Cayden~
Ich war so in meinen Gedanken versunken, dass ich aus der Sphäre trat und erst dann bemerkte, dass es mich instinktiv in Ascardias Zimmer verschlagen hatte.
Sofort versteifte ich mich, denn ich hatte diesen Ort die letzten Tage bewusst gemieden. Ascardias Aura erfüllte den Raum und ließ mich unachtsam werden.
Die Anspannung, die mich seit der Fürstenversammlung im Griff hielt, fiel von mir ab, als ich auf die schlafende Frau blickte.
Ascardia hatte eines ihrer Beine unter der Decke hervorgestreckt, während sie das Kissen fest an ihren Körper drückte, statt ihren Kopf darauf zu betten.
Ein Schmunzeln huschte über meine Lippen. Gleichzeitig spürte ich, wie mein Herz schwer wurde. Selbst jetzt lag sie, als würde sie einen Tiger umarmen.
Ich ließ mich dazu hinreißen, ihr sanft eine Strähne aus dem Gesicht zu streichen.
Dabei spürte ich die Nässe an ihren Wangen.
Hatte sie geweint?
Mein Herz schmerzte, als würde es jemand zerdrücken wollen.
Ayden hatte mir gesagt, dass sie darunter litt, doch es zu sehen zehrte an meinen Kräften.
Tat ich das Richtige?
Ich musste Ascardia unbedingt beschützen, doch war es in Ordnung, sie dafür so sehr zu verletzen?
»Es tut mir leid«, hauchte ich in die Stille der Nacht.
Ascardias Lippen bewegten sich, dann schlug sie langsam blinzelnd die Augen auf.
Ich zögerte einen Moment zu lang, um mich in meine Sphäre zurückzuziehen, da hatte sie mich entdeckt.
Ascardia riss ihre goldenen Augen auf und im nächsten Moment war sie aus dem Bett und in meinen Armen.
Ihr Duft umhüllte mich, senkte meine Wachsamkeit und ließ mich reagieren, ohne darüber nachzudenken.
Obwohl ich mich dagegen sperrte, schlang ich meine Arme um sie, um sie zu halten. Als ihr leises Schluchzen an mein Ohr drang, spürte ich unerträgliche Kälte in mir aufsteigen.
»Ich hab dich so vermisst«, jammerte sie leise.
Ich erstarrte, während ich sie fester an mich zog. Wann hatte sie das letzte Mal geweint?
»Tut mir leid. Es ist viel zu tun«, brachte ich hervor, auch wenn es mich innerlich zerriss.
»Ich weiß. Tut mir leid, dass ich dich von deiner Arbeit abhalte«, schniefte sie und löste sich ein Stück von mir.
Ihre Hand wanderte zu ihren Augen, um die Tränen wegzuwischen.
Mein Körper bewegte sich, ohne dass ich es wollte und schon küsste ich ihr sanft die Tränen von den Wangen.
Mit einer Handbewegung deckte ich ihre Bettdecke auf, bevor ich Ascardia auf meine Arme hob.
Ich wollte sie auf ihr Bett setzen und zudecken, doch ihre Arme schlangen sich so fest um meinen Nacken, dass ich sie nicht lockern konnte.
»Es tut mir leid, falls ich etwas falsch gemacht habe«, flüsterte sie plötzlich. Ihr ganzer Körper zitterte, als sie erneut zu schniefen begann.
Ihre Tränen tropften auf meinen Nacken, was dazu führte, dass ich meine Augen schloss. Langsam wanderte meine Hand beruhigend über ihren Rücken.
Ich konnte sie so nicht sehen. Ayden hatte recht. Ich war zu radikal. Ascardia war mental nicht stark genug dafür.
Warum hatte ich die Situation so falsch eingeschätzt?
»Ascardia«, sagte ich mit ungewohnt rauer Stimme.
»Es tut mir leid. Bitte geh nicht wieder«, jammerte sie, während sie sich weiter an mich klammerte.
Ich wusste nicht, was ich sagen oder tun sollte. Wie beruhigte man eine weinende Frau, wenn ihre Worte selbst drohten, mir das Herz herauszureißen.
Ich stieß ein beruhigendes Geräusch aus und versuchte, ihre Arme von mir zu lösen, um sie ins Bett legen zu können.
»Bitte bleib hier«, brachte sie atemlos hervor, nur um gleich wieder zu schluchzen.
Ich schloss meine Augen, hatte ich doch genau eine solche Situation vermeiden wollen.
»Schon gut«, sagte ich sanft, noch immer ihren Rücken streichelnd. »Ich lege mich zu dir«, bot ich an, auch wenn ich nicht wusste, ob die Idee gut war.
Ein schneller Bruch wäre besser, doch ich konnte es nicht. Sie einfach so allein zu lassen, behagte mir gar nicht.
Ascardia zögerte, als würde sie meinen Worten nicht ganz glauben. Eine Geste, die mir einen stechenden Schmerz im Herzen verursachte.
Langsam half ich nach und löste ihre Hand von meinem Nacken. Ihr Griff war nicht mehr so fest wie zuvor, doch ich spürte ihre Angst trotzdem. »Ich bleibe hier«, sagte ich noch einmal.
Ihre tränenverschleierten Augen blickten mich an, bevor sie schließlich losließ.
»So ist es gut.« Langsam legte ich sie ins Bett und deckte sie zu, bevor ich ihr einen Kuss auf die Stirn gab.
Ich sah ihren hoffnungsvollen Blick und wusste genau, was sie wollte. Statt mich jedoch in einen Tiger zu verwandeln, setzte ich mich zu ihr auf das Bett. Meine Hand sanft in ihr Haar vergraben. »Ich bleibe, bis du eingeschlafen bist.«
Das war ein guter Mittelweg, oder?
Würde ich jetzt nachgeben, wäre es zu schwer, mich wieder zurückzuziehen und dann wäre die ganze Arbeit umsonst.
Ich sah, wie ihre Lippen zitterten. Es gefiel ihr nicht und trotzdem schwieg sie. Stattdessen zog sie meine Hand an sich und schmiegte sich dagegen.
Ich ließ es zu, auch wenn es all meine Selbstbeherrschung kostete. Doch wenn ich darüber nachdachte, was ihr passieren könnte, wenn meine Aura noch immer so präsent an ihr war, sobald mein Vater erwachte, verdrängte der Schmerz alles andere.
Wenn ich sie beschützen wollte, würden wir beide sehr darunter leiden. Aber solange sie überlebte, wäre es jeden Schmerz wert.
































































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