Kapitel 9 – Ein Fick zum guten Zweck
Kapitel 9 – Ein Fick zum guten Zweck
Am nächsten Morgen fand sich Evelynn in einem Bett wieder, welches deutlich bequemer war, als das Bett ihrer Kindheit, welches noch immer in ihrem Kinderzimmer stand und seit fünf Jahren wieder regelmäßig genutzt wurde. Ein wohliges Seufzen ausstoßend, drehte sich Evelynn herum und wälzte sich in der weichen Matratze hin und her. Als sich ihre Augen öffneten, sah sie dunkelbraune Bettwäsche. Aber das war nicht ihre. Und was war das für ein Gefühl zwischen ihren Beinen? Hm? Hatte sie mit jemandem …?
„Guten Morgen, Schönheit.“
Die Augen noch verschlafen zusammengekniffen, riss Evelynn den Kopf herum. „Oh …“ Da stand ein äußerst ansehnlicher Mann in Boxershorts. „Oh …“ Die Erinnerungen fegten über sie hinweg wie ein Tsunami. „Oh …“
Harry gluckste und streckte ihr eine der beiden Tassen in seiner Hand entgegen. „Tee.“ Wie in Trance nahm sie ihm die Tasse ab, senkte den Blick und musterte den Inhalt skeptisch. „Kein Alkohol“, ergänzte Harry.
Evelynn nickte lediglich, unwissend, was er sich bei dieser Aussage gedacht hatte. Aber Tee klang toll. Also führte sie die Tasse an den Mund und nahm einen Schluck nach dem anderen, so beherzt, wie das heiße Wasser es nun mal zuließ. Nach dem fünften Schluck waren auch die restlichen Erinnerungen der letzten Nacht wieder in ihren Kopf zurückgekehrt.
„Wir haben verhütet, oder?“ So wie sie ihn verführt hatte, hätte es sie nicht gewundert, wenn die Antwort ‚nein‘ gewesen wäre. Aber auf einen weiteren Schwangerschaftstest, und zusätzlich einen Besuch beim Gynäkologen wegen möglicher Geschlechtskrankheiten, hatte sie wenig Lust.
„Natürlich. Beide Male.“ Ein schelmisches Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus.
Evelynn nickte. „Dann ist ja gut.“ Sie hob die Hand mit der Tasse. „Danke.“ Brian hatte ihr morgens nie etwas zu trinken angeboten. Sie hatte ihm immer seinen Kaffee klauen müssen. Das … wieso kam ihr das jetzt in den Sinn?! Evelynn blickte an sich herunter. Nackte Brüste. Ihr Schoß war noch von der Decke verdeckt. „Hm …“ Scham kannte sie seit ihren Striptease-Zeiten sowieso nicht mehr. Nur vor Brian …
Hastig schüttelte sie den Kopf und ließ ihren Blick durchs Zimmer gleiten. In der Ecke neben der Tür fand sie ihren BH. Ihr Shirt hing über einem Bild, das wiederum auf einer Kommode stand. Und ihre Hose … hatte der Kerl von letzter Nacht in der Hand, an dessen Namen sie sich nicht erinnerte. „Danke.“ Evelynn nahm das gute Stück entgegen.
„Hast du eigentlich nie Unterwäsche an? Ich war überrascht. Positiv, aber dennoch überrascht.“
„Nein, doch, also normalerweise schon“, Evelynn schlüpfte hinein, „aber …“ Weil sie während der Arbeit wieder einmal zu viel an einen gewissen Herren gedacht hatte, war ihre Unterwäsche so nass gewesen, dass sie sie nach der Dusche schlichtweg weggelassen hatte. Sie musste aufhören damit. Sie musste nach vorn sehen. Oder zurück? Irgendein schlauer Mensch hatte mal gesagt, ein Schritt zurück könnte dabei helfen, wieder nach vorn zu gehen. Oder so in der Art. Evelynn schüttelte den Kopf. „Nach dem Duschen mag ich es nicht, wieder in dieselbe Unterwäsche zu schlüpfen, und auf der Arbeit hatte ich keinen Ersatz dabei.“
Was für einer Arbeit sie nachging, bei der sie sich nachher duschen musste? Auf der Arbeit? Im Nachhinein war er einfach nur froh, dass er ein Kondom genutzt hatte. „Na dann. Kommst du allein nach Hause?“ Er wandte sich ab, damit sie sich in Ruhe anziehen konnte.
„Ja. Danke.“ Evelynn stand auf. Sie war wütend. Verdammt, was hätte dieser angeekelte Blick gesollt?! Ricks Worte hatten sie gekränkt. Sie hatte Trost gebraucht, und ihn gefunden. Und jetzt sah ihr Trostgeber sie angeekelt an? War sie ihm im Nachhinein doch zu alt gewesen? Oder hatte ihm ihre Figur nicht gepasst? Verdammte Männer!
Evelynn stieg auf ihr Motorrad. Doch sie fuhr nicht nach Hause. Sie lenkte ihr Motorrad durch die Straßen, die Gedanken wirbelnd und wild. Mit jeder Sekunde wuchs die Wut in ihr an. Schließlich stand ihr Motorrad vor Brians Villa. Oder viel eher vor dem Zaun, der diese umgab. Sie winkte in die Kamera. Vielleicht hatte sie Glück, und er war da. Wenn sich sein Schlafrhythmus nicht verändert hatte, dürfte er gerade aufgewacht sein.
Tatsächlich ging nach ein paar Momenten das Tor auf und ließ sie mit dem Motorrad auf das Grundstück fahren. Der Rasen vor dem Haus war perfekt gepflegt, die Hecken sahen wie frisch gestutzt aus und die Fassade der Villa selbst war wie geleckt. Alles war sauber und viel zu perfekt. So ganz anders als das Apartment, in dem sie mit Yannis eine Weile bei Brian gelebt hatte. Dort war es zwar sauber gewesen, aber eben auch typisch Junggesellenwohnung. Die Villa hier passte eher zu einer großen, reichen Familie.
„Einer der ganz Großen“, murmelte Evelynn bitter, während sie ihre Maschine hinter dem großen, runden Springbrunnen, gleich vor der ausladenden Freitreppe parkierte. „Scheiße, Mann!“ Evelynns Hände hatten sich um den Lenker versteift. Das nächste, wozu sie ihre Fäuste gebrauchen würde, wäre, um Brians Gesicht einen Kuss zu verpassen. Einen, der wunderschöne Farben hinterliess!
Die Haustür öffnete sich. Brian lehnte am Türrahmen und sah ihr mit ernstem Gesicht entgegen. Er trug nur eine graue Jogginghose und in seiner Hand hielt er eine Tasse. Der Geruch von Kaffee strömte ihr entgegen. „Hast du keinen Job mehr oder ist dir langweilig, Eve?“ Seine Stimme war eiskalt und ablehnend.
Evelynn atmete schwer aus. Tief, ein und aus. Dann schwang sie ihr rechtes Bein über ihr Motorrad, kam daneben zum Stehen und schnallte sich den Helm ab. Ihr Haar, das sie wie gewohnt während der Fahrt zu einem lockeren Zopf geflochten hatte, fiel ihr über die Schulter. Der Helm landete auf einem der Seitenspiegel. Erst dann hob Evelynn den Blick und traf Brians. Sie presste die Lippen zusammen, schluckte. Ihr Blick glitt zu seinem Bauch. Von der Wunde konnte sie nichts sehen, aber sicher trug er noch einen Verband.
„Hi, Brian.“ Evelynn konnte sich nicht entscheiden, ob sie stehenbleiben und am besten gleich wieder gehen sollte, oder es doch wagen und zu ihm treten sollte. Sie war so unglaublich wütend. Er hatte ihren Bruder auf dem Gewissen. Hatte sie angelogen. Den Heiligen gespielt. Und doch sah sie ihn an und konnte ihm nicht direkt die Kugel wünschen. Evelynns Beine trieben sie voran, die Treppe hoch, bis sie nur noch ungefähr einen Meter zwischen sich hatten. „Hi …“
„Was willst du?“ Brian musterte sie von oben bis unten. „Wieder ein Unfall? Probleme mit dem Motorrad? Glaubst du nicht auch, es ist langsam echt blöd, immer zu mir angekrochenzukommen, wenn du Hilfe brauchst?“
„Stimmt, das wäre es wirklich. Aber ich bin auch nicht hier, um um etwas zu bitten, sondern um zu geben. Um mich zu bedanken, Brian.“
Brian hob die Augenbrauen, nippte an seiner Tasse und machte einen Schritt ins Haus, um Evelynn hereinzulassen.Ää
Evelynn ging mit mulmigem Gefühl an ihm vorbei und betrat das schier riesige Haus. Mühsam zwang sie sich dazu, ihren Blick nicht zu lange auf seinen harten Bauchmuskeln … und der Gase darauf verweilen zu lassen. „Ich … darf ich mir zuerst deine Wunde ansehen? Du hast kein einziges Mal angerufen …“
Brian stellte die Tasse auf einer Kommode ab und ging so auf Eve zu, dass diese nur zur Wand ausweichen konnte. „Eve… Was hast du nicht daran verstanden, als ich sagte, du sollst aus meinem Leben verschwinden?“
Evelynn biss sich auf die Unterlippe. Er war ihr schon wieder so nah. Ihr Atem beschleunigte sich, so wie er sie ansah. Streng, musternd – den abwertenden Teil ignorierte ihr Gehirn komplett. „Ich habe … nicht verstanden, wieso du plötzlich so abweisend geworden bist. Und ich verstehe nicht, was ich falsch gemacht habe …“ Spielte sie eben das naive Mädchen. In der jetzigen Situation war sie ihm ausgeliefert. Aber sie würde es schon noch schaffen, das Blatt zu wenden. Das war sie Emanuel schuldig. Er hatte es verdient, dass jemand an ihn dachte. Ihm Gerechtigkeit verschaffte! So viel hatte sie darüber nachgedacht. Doch dieses Mal gab es nichts, was sie dazu bewegen würde, Brian zu verzeihen.
Evelynn ließ sich auf die Knie sinken und sah zu Brian auf. „Ich weiß, du hast das letzte Mal nicht gut gefunden.“ Ein Schmerz durchzuckte ihr Herz. „Ich werde es wieder gutmachen.“ Die Lippen leicht gespreizt, bewegten sich ihre Hände langsam zum Bund seiner Jogginghose. „Ich will nicht, dass du mich hasst, Brian.“
Brian hob die Augenbrauen. Sie vor ihm knien zu sehen, ließ seinen Schwanz erregt zucken. „Was willst du dann?“ Verflucht, diese Frau brachte ihn um den Verstand! Der Gedanke, ihre Lippen über seinen Schaft gleiten zu sehen, ließ ihn schwer schlucken. Was hatte die Kleine nur an sich, dass er ihr so verfallen war?
Sie zog seine Hose runter; eine Boxer trug er nicht. Evelynn packte seinen Schwanz bei der Wurzel, hielt ihn sich vor den Mund und baute wieder Blickkontakt auf. „Dich …“ Sie leckte ihm einmal über den Schaft. „Aber so viel kann ich nicht verlangen. Somit … begnüge ich mich damit, dich auf meine Weise glücklich zu machen.“ Ihre Worte erinnerten sie an einen furchtbar schlechten Porno … Und das Verletzlichste an einem Mann war sein Ego.
„Fuck…!“ Brian stöhnte auf. Sein Schwanz wurde steinhart unter ihrer Berührung. Er wollte logisch bleiben. Ablehnend. „Da musst du aber noch ein paar Blowjobs geben, bis du die Ausgaben von damals wieder reingeholt hast.“ Und er hätte nichts dagegen. Sie könnte dafür ruhig täglich vorbeikommen, und wenn sie gut war, würde er sie als Dank auch richtig hart ficken und sie zum Schreien bringen.
Evelynn verdrehte innerlich die Augen. Brian war eben doch nur ein Mann. Fing man einmal an, ihnen den Schwanz zu blasen, wurde ihnen der Rest egal. Evelynn kraulte Brians Eier, blies seinen Schwanz und beglückte ihn mit all ihrem variantenreichen Wissen. Sie trieb ihn bis kurz vor den Höhepunkt, dann hielt sie aber überlegend inne. Wenn sie ihn jetzt zum Höhepunkt brachte, würde er sie sicherlich einfach direkt wieder rauswerfen. „Brian…“ Atemlos sah sie zu ihm auf, die Augen nass. Sein Gemächt war nicht von schlechtem Vater …
Er keuchte genervt. Verdammt, er war so kurz davor gewesen, in ihren Rachen zu spritzen! „Eve…!“ Sein Blick wanderte an ihr herunter. Kurz entschlossen packte er sie, zog sie einen Raum weiter in die Küche und hob sie auf den Küchentisch. „Willst du ficken oder blasen? Du kleines, unersättliches Biest!“
Evelynn wickelte ihre gespreizten Beine an, verschränkte sie hinter Brian und zog ihn näher. „Was immer … du willst …!“ Nass war sie sowieso schon. Zwar auch noch wund, aber das tat nichts zur Sache. Evelynn legte ihre Hände an Brians Wangen und zog ihn näher, wollte seine Lippen spüren und wollte, dass sie die Kälte, die sein ablehnendes Verhalten in ihr hervorgerufen hatte, verschwinden liessen.
Brian drehte den Kopf jedoch zur Seite und machte sich von ihr los. „Dann zieh dich aus, Eve.“ Er rieb freudig seinen Schwanz, an dem ihre Spucke hing und die Reibung dadurch noch besser war.
Nass. Da war was! „Bin gleich wieder da. Ich hole nur schnell ein Kondom.“ Verflucht, am besten, er verteilte die Scheißdinger einfach überall im Haus, dann müsste er jetzt nicht mit der Monsterlatte hoch in sein Schlafzimmer.
„Ach dieses Mal denkst du daran, ja…?“ Gekränkter Sarkasmus klang in ihren Worten mit, doch ob Brian sie vernommen hatte, die Verletzlichkeit in ihr gespürt hatte, das wusste sie nicht. Dass er ihren Kuss abgewendet hatte, tat weh. Nicht zum ersten Mal fügte er ihr seelischen Schmerz zu. Evelynn ermahnte sich, ihr Ziel nicht zu vergessen. Und während sie sich auszog, glitt ihr Blick zur Küchentheke.
Nur wenig später kam Brian zurück. Ein eingepacktes Kondom hat er sich zwischen die Zähne geklemmt, ein zweites warf er auf den Küchentisch. Für alle Fälle.
Evelynn war nackt. Sie saß auf der Theke und hatte die Beine weit gespreizt. Eine perfekte Einladung für ihn. Sein Schwanz, der wegen der Unterbrechung ganz leicht den Kopf hatte hängen lassen, stand im Nu wieder aufrecht. Verdammt, diese Frau war einfach perfekt. Fort waren die Gedanken, sie einfach wieder wegzuschicken. Wenn sie nur ficken wollte, konnte sie das gerne haben!
„Berühr dich selbst!“, befahl er rau, zog seine Hose aus und riss die Kondompackung auf.
Evelynn biss sich auf die Lippe. Wieso konnten sie es nicht einfach hinter sich bringen? Ihr war nicht mehr nach Sex und ihr war auch nicht danach, sich selbst zu berühren. Aber es gab keinen Weg mehr zurück. Alles war bereit. Evelynn fasste sich zwischen die Beine, streichelte sich und tat, als ob sie es genoss. Ein leises Stöhnen rang sie sich auch noch ab. Immerhin war Brian Besitzer eines Puffs …, er würde schnell erkennen, dass sie ihre Erregung nur spielte, wenn sie sich keine Mühe gab.
Sein Blick hing auf ihren Fingern und er sah gebannt zu, wie ihre Spalte feuchter wurde. Er stülpte das Kondom über und trat auf Evelynn zu.
Evelynns Hände wurden schneller, als sie seinen Blick bemerkte. Verdammt, sie wollte und sie wollte nicht. Sie wollte, dass er sie um den Verstand fickte, und sie wollte nicht. Schlussendlich legte sie den Kopf in den Nacken und schloss die Augen, während sie ein weiteres Stöhnen ausstieß. „Na los …!“
Sofort war Brian da, grub eine Hand in ihre Haare und packte mit der anderen Hand sein Glied. Mit der Eichel rieb er mehrmals über ihre Vulva, vom Kitzler bis zu ihrem Loch. Und genau im richtigen Moment drückte er sich grob und ohne Vorwarnung in sie.
Evelynn stöhnte kehlig. Wieso gefiel ihr das so sehr? Jeder Stoß! Aber nur bei ihm! Es war zum Verrücktwerden! Doch mit jedem Stoß wurde ihr stärker in Erinnerung gerufen, wieso sie hergekommen war. Sie konnte nicht abschalten, konnte es nicht genießen wie sonst. Brian war grob zu ihr, kalt, und das mochte sie nicht. Aber es war auch egal … Es bestärkte sie nur in ihrem Wissen um seine Grausamkeit. Um seine Falschheit. Engel spielen, Teufel sein. Tastend legte sie die Finger ihrer rechten Hand, mit der sie sich bisher hauptsächlich abgestützt hatte, um den holzigen Knauf des großen Küchenmessers. Sie hatte einfach nach dem Größten gegriffen, es hatte scharf ausgesehen und so … war die Entscheidung der Mordwaffe gefallen. Evelynn blinzelte eine Träne weg. Wieso weinte sie jetzt? Brian stieß in sie, nahm sie, doch er erschien ihr in diesem Moment so fremd. So distanziert. Er hatte keinen Sex mit ihr, sondern fickte sie, wie er es mit einer Nutte tun würde. Es war ein Unterschied zu ihren vorherigen Malen, das spürte sie. Und es bestärkte sie.
Evelynn zog Brian mit ihrer linken Hand am Nacken zu sich und legte ihre Stirn an seine, während sie beide keuchten. „Brian …“
Brian knurrte leise. „Eve …“ Seine Finger krallten sich in ihre Oberschenkel.
„Hör auf.“ Evelynns Stimme hatte jede Erregung verloren. Ernst sah sie ihm in die Augen, brach den Blickkontakt nicht. Und keine Sekunde später verstand Brian, warum.
Er hob den Blick und drehte den Kopf ein wenig. Weg von der Klinge, die Evelynn gegen seine Kehle drückte. „Was soll das?“
„Du hast Emanuel getötet“, stieß Evelynn gepresst hervor. „Du hast meinen Bruder wegen verdammtem Papier ermordet! Dumme, verbrennbare Scheinchen!“ Ihre Hand zitterte, aber Brian konnte sich noch so weit zurücklehnen, die Klinge folgte ihm, blieb an seinem Hals kleben. Sie hatte ihn. Sie musste es nur tun. Musste nur zustechen. Jetzt hatte sie die Chance! Und es wäre ihre einzige Chance! Evelynn gab ruckartig Druck auf die Klinge. Noch hielt seine Haut aber stand. Der jungen Frau rannen Tränen die Wangen hinunter. „Du hast mir meinen Bruder genommen!“
„Emanuel? Nein. Ich habe ihn nicht umgebracht.“ Er wollte sich aus ihr rausziehen, befürchtete aber, dass sie dann zustehen würde. Die Klinge lag direkt an seiner Hauptschlagader. Selbst ein kleiner Schnitt könnte schon tödlich sein.
„Aber ihr habt ihn in euren Van gezogen!“ Evelynn schniefte. Sie schämte sich nicht, aber sie musste aufpassen, dass Brian sie nicht überwältigte, weil sie sich von ihrer Trauer ablenken ließ. „Und danach war er tot! Und jetzt sag mir nicht, dass du nicht davon gewusst hättest!“ Ein tiefes Schluchzen bahnte sich ihre Kehle hoch und verschluckte ihre letzten Worte zur Hälfte. „Du warst mit eurem scheiß Oberhaupt im Raum! Damals! Du bist ein Capo!“ Oder wie das auch hieß. „Also wusstest du davon, selbst wenn du es nicht persönlich getan hättest!“
„Wir haben ihn verprügelt, Eve. Nur ein Warnschuss, mehr nicht.“ Brian überlegte, ob er es wagen sollte, ihre Hand wegzuschlagen. Aber in ihrem Zustand… Jede Bewegung könnte bei ihr zu einem Kurzschluss führen. „Ich hätte nichts davon gehabt.“
„Du lügst! Ein Warnschuss in den Kopf, oder wie?!“ Ihre Lippen bebten. Sie sollte es hinter sich bringen. Einfach und schnell. Leiser setzte Evelynn wieder zu sprechen an: „Du hast ihn getötet und dich dann als Held aufgeführt, als ich wegen der Beerdigungskosten in der Bredullie saß. Hast mich und Yannis bei dir aufgenommen, um mich als Hure abzurichten!“ So viel zum Leisebleiben. „Was sollte das, hm?“ Der Druck an Brians Kehle wurde noch einen Ticken stärker und ließ ihn angespannt den Hals strecken. „Meinem Sohn weismachen, du wärst ein super Dad?! Hast du gedacht, er wüsste, wo das Geld ist, und würde es dir verraten, wenn er dich nur nett genug fände?! Sei besser froh, dass dein Kind nie die Chance bekommen hat, dich kennenzulernen! Und dass deine Frau nicht mitansehen mu…!“
Brian hob seinen Arm und packte ihr Handgelenk, um das Messer von seinem Hals wegzuziehen. Er spürte, dass die Klinge in seine Haut schnitt. Hoffentlich nicht tief…
Evelynn kreischte auf.
Sofort drückte er ihr Handgelenk noch fester, sodass sie gezwungen war, das Messer fallen zu lassen. Dann bewegte er sich ruckartig vor. „Du hast mich mit einem Messer bedroht! Während ich in dir steckte. Dein Ernst?!“
Evelynns Atem ging schnell und unkontrolliert. Ihr Blick glitt an sich herab … „Stimmt“, quietschte sie mit zittriger Stimme. „So weit habe ich … nicht gedacht.“ Ihr ganzer Körper begann zu beben. Brian hatte sie. Sie hatte versucht, ihn zu töten! Sie könnte sich glücklich schätzen, wenn er sie jetzt nur zur Arbeit in seinem Bordell zwingen würde! „L…lass bitte meine Hand los … Du tust mir … weh …“
Es fiel ihm schwer, sich zu beherrschen. Wie leicht es jetzt wäre, sie einfach festzuhalten und sie zu vögeln. Aber sein Schwanz schwillte bereits ab und die Lust war ihm vergangen.
Brian machte einen Schritt zurück, zog sich aus ihr heraus und griff zu den Küchentüchern, um sie gegen seinen Hals zu drücken. Er blutete. „Fuck! Eve …!“ Wie stark blutete er? Hatte sie die Halsschlagader erwischt?
Evelynn zog den Kopf ein und versuchte, sich möglichst unauffällig zu verdecken. „Es ist nur ein bisschen Blut …“
Brian nahm das Papier weg und sah nach. Tatsächlich war es nicht viel Blut. Aber anstatt erleichtert zu sein, stieg die Wut in ihm und erreichte einen ungesunden Pegel. „Du verdammtes Miststück!“ Brian schnellte vor und packte ihren Hals mit einer Hand. Wieder ging er nah an sie heran, spürte die glatte Haut ihrer Schenkel und ihre weichen Brüste.
„Bri…an…“ Evelynn hatte die Augen weit aufgerissen. Ihre Hände lagen an Brians Hand, die ihre Kehle umschloss. Ihr Herzschlag donnerte ihr in den Ohren, während der Sauerstoff erschreckend schnell erschreckend knapp wurde. „Bri…!“ Evelynn schnappte nach Luft, jedoch vergebens. In einem letzten Anflug von Rationalität nahm sie beide ihre Hände oberhalb von Brians Arm zusammen und riss sie mit aller Kraft runter. Doch Brians Ellbogen blieb, wo er war, knickte nicht ein. Atemlos öffnete und schloss sich Evelynns Mund, bis sie schwarze Flecken zu sehen begann. Und Brian? Er starrte sie nieder, sich sehr wohl bewusst, dass er gerade dabei war, ihrem Leben ein Ende zu setzen.




































































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