Tag 6

Tag 6
Also jetzt ist es klar!
Es spinnen nicht nur die Römer, sondern auch die Franzosen und die Monegassen!
Eigentlich müsste ich mich ständig zwicken, da ich mir nicht mehr sicher bin, ob ich wirklich noch im Hier und Jetzt bin oder doch in einer Märchenwelt!
In Grimms oder besser gesagt Grimaldis Märchenwelt!
Heieiei, was war das für ein Tag!
Heute Morgen war ich schon „molto emozionata“, da unser Sohn seinen zweiten Marathon gelaufen ist … erst vor zwei Wochen ist er einen Backyard über 15 Stunden und mit 100 km gelaufen … und nun mal eben 42 km in 3 Stunden und 4 Minuten!
Zur Beruhigung habe ich gehäkelt.
Mein Sympathicus und Parasympathicus werden in diesem Urlaub ganz schön auf die Probe gestellt!
Meine heutige morgendliche Wanderung verlief eher kurz – ein Schild „Strada privata – Attenti ai cani“ stoppte mich.
Angst vor Hunden habe ich ganz und gar nicht – aber pflichtbewusste Berghunde möchte ich am heiligen Sonntag nicht unbedingt zu meinen Feinden haben.
Daher habe ich abgedreht und lieber noch ein bisschen gehäkelt … zur Beruhigung!
… denn mein Mann meinte, wir sollten doch jetzt und heute nach Monaco fahren, bevor ich im Rollstuhl sitze … Charmant!
Aber wahre Liebe zeigt sich ja oft durch andere Kleinigkeiten!
Die Abfahrt ins Tal und somit zum Meer verlief relativ gut – es war zwar steil, aber die Straße war etwas breiter und es war kaum ein anderer Autofahrer unterwegs.
Spannend sind auch die „Aufputz“-Wasserleitungen der Italiener, die sich formschön, im Dutzend und mit einer schlangenähnlichen Anmutung an die Steilhänge schmiegen und fachmännisch mit alten Strohschnüren, rostigen Haken oder Drahtstücken verzurrt wurden.
Monaco ist ja wirklich nur ein Katzensprung von uns entfernt und die Grenzen zwischen Italien und Frankreich und dann auch Frankreich und Monaco verlaufen fließend und kaum merkbar.
Frankreich gehört noch zur EU … Monaco, genauso wie die Schweiz, nicht … wir haben es erst auf der Rückfahrt bemerkt!
Es ist ein Disneyland … ein Märchenland … nicht von dieser Welt … oder besser gesagt, nicht von meiner Welt …
Alles wirkte so unwirklich, zwar wunderschön, aber irgendwie nicht echt …
Polizei und Security standen fast an jeder Straßenecke … Autos im Wert von 2-Zimmer-Wohnungen fuhren unentwegt an uns vorbei … alle waren schön … alles war schön!
Und ich habe sogar mein schönstes Reisekleid angezogen und meine Haare hübsch gemacht!
Grimaldis Märchenwelt! Unglaublich!
Am Hafen wurden große Zelte aufgebaut und ein Gewusel an Menschen, LKWs und Paletten bereitete hier alles für ein großes Event vor …
Auf dem Meer, in den Buchten vor dem Hafen, lagen – mein Mann hat sie gezählt – knapp 100 Luxusyachten!
Am Mittwoch findet in Monaco die große Yacht-Show statt!
Heimlich habe ich „ihn“ gefragt, ob er mir hier diese Bilder frech vor mein inneres Auge kreiert und sich einen Spaß mit mir erlaubt oder ob es wirklich alles wahr ist, was ich hier sehen darf …
Er antwortete:
„Es war einmal und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie weiterhin munter und fröhlich in diesem Märchen- und Steuerparadies ….“
Dass wir unser Roaming ausschalten hätten müssen, hat er jedoch nicht gesagt!
Trotz des ganzen Prunkes und des Luxus durfte ich aber auch etwas ganz Besonderes entdecken …
Wir fuhren langsam an einer Strandpromenade kurz nach Monaco vorbei, als ein älteres Paar in Badekleidung langsam und Hand in Hand durch den Sand auf eine Dusche zulief.
Sie trug eine große schwarze Sonnenbrille … er führte sie zur Dusche …
Sie war blind …
Ohne Worte … blindes Vertrauen … schön … wunderschön und purer Luxus!
Die Sonne zieht sich langsam wieder zurück … es ist später Nachmittag.
Wir tranken in Ventimiglia noch einen Cappuccino und aßen einen Biscotti, um dann unseren Heimweg auf den Berg anzutreten.
Eigentlich hatte ich gedacht, wir würden den gleichen Weg nehmen wie zuvor bei der Abfahrt …
Hmmm … das Navi – es weiß, dass wir einen Jeep fahren und mein Mann 38 Jahre Fahrpraxis hat – wählte jedoch einen anderen …
Und wir folgten.
Also ich wäre lieber gelaufen.
Glücklicherweise haben wir ja eine Waschmaschine in unserer Ferienwohnung!
Steil ging’s hinauf und steil ging’s an meiner Seite hinunter!
38 Jahre – 38 Jahre – 38 Jahre – murmelte ich leise in mich hinein …
Was für ein Tag!
Verrückt und wie im Märchen!
Morgen möchte ich ein Eis … einen Bananen-Split!
Zu Fuß oder mit dem Rad …
aber nicht mit dem Auto!



































































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