Kapitel 18

Fiona

 

Meine Mom hat uns dann zum Alpha-Haus geführt. Taylor bekommt als Gast und als Freund der Familie ein Gästezimmer in eben diesem Haus. So sitzen wir also Abends beim Abendbrot alle zusammen.

 

Taylor und ich erzählen, wie wir uns kennengelernt haben. „Und ihr habt nie etwas romantisches ausprobiert?“ fragt Mom neugierig. Taylor und ich schauen uns an und verziehen dann im selben Moment angewidert das Gesicht.

 

„Wir haben auf den Einsätzen so viel zusammen erlebt. Wir schulden uns gegenseitig so viele Leben. Das schweist zusammen, aber eher wie Geschwister.“ erkläre ich. Taylor ergänzt „Außerdem warte ich auf meine Mate.“

 

Mein Vater nickt verstehend „Dann möchte ich dir dafür danken, dass du auf meine Tochter geachtest hast.“ Taylor winkt ab „Wir passen gegenseitig auf uns auf.“ Dad spricht  inbrüstig „Dennoch, so etwas ist nicht selbstverständlich. Lade gerne doch deinen Bruder ein. Ich würde ihm gerne einen Bund zwischen den Rudeln vorschlagen.“

 

Taylor steht auf und verneigt sich leicht „Ich danke vielmals im Namen von meinem Bruder. Aber ich glaube er hat gerade mehr mit seiner kleinen Eule zu tun. Er meint ja, dass sie seine Mate sei.“

 

Dad horcht auf „Nun, dass kann durchaus möglich sein. Schließlich gibt es allerlei an Wesen.“ Überrascht schaut Taylor meinen Vater an. Diese verwickeln sich daraufhin in ein Gespräch über die verschiedensten Wesen.

 

Da ich immer mehr Müdigkeit verspüre, verabschiede ich mich. Meine Mutter gibt mir einen Kuss auf die Stirn. Dann gehe ich hoch zu meinem Zimmer. Es sieht immer noch so aus, wie als ich gegangen bin.

 

Die Lichterkette um das Bettgestell gewickelt taucht den Raum in ein warmes Licht. Auch die Pinnwand mit meinen schönsten Erinnerungen ist noch da. Ich streiche vorsichtig über das Armband, welches mir Paul damals geschenkt hatte. Ich dachte damals er würde für eine seiner Wolfsfreundinnen sich so abmühen mit dem aufwendigem flechten. Doch er schenkte es mir.

 

Dann gibt es da noch die getrocknete Silbernacht-Blume. Wir haben uns nachts raus geschlichen und den Wald erkundet. Dabei haben wir eine versteckte Blumenwiese entdeckt. Auf dieser geheimen Lichtung wachsen diese seltene Blumen. Sie hat tiefblaue Blüten, bei Vollmond bekommen diese Blüten einen Silbernenschimmer. Warum musste es nur soweit kommen? denke ich mir traurig.



 

Ich mache mich im Bad fertig und will mich dann ins Bett legen. Doch auf dem Bett entdecke ich meine liebste Schokolade, Erdnüsse mit Krokant und knusper Kekse. Früher hat mir Paul die Schokolade immer gebracht, wenn ich meine Tage hatte oder Schmerzen generell, um mich aufzumuntern. Schluchzend lasse ich mich aufs Bett fallen und presse die Schokolade an mich.

 

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Am nächsten Morgen stehe ich gerädert auf, durch das viele weinen am Abend. Es war das erste Mal, dass ich die Emotionen über unsere verlorene Freundschaft zugelassen habe. Vorher hatte ich immer die Haltung, dass es besser wird und ich nur durchhalten muss. Es wurde scheinbar irgendwann auch besser. Aber dafür musste ich gehen.

 

Eine Antwort habe ich dennoch noch nicht. Wer weiß ob ich Paul auch je eine Antwort geben kann. Ich kenne ihn nicht mehr. Vielleicht sollte ich ihn auch wieder kennenlernen?

Wobei, nein. Das würde etwas falsches vermitteln. So weit bin ich lange noch nicht. Aber ihn und sein Verhalten könnte ich beobachten oder? So könnte ich schauen, wie er heute ist. Vielleicht kann ich ihn dann auch besser einschätzen und ihm eine Antwort geben.

 

Denn ihn einfach abzulehnen, finde ich nicht richtig. Das hätte ich sofort gemacht, wenn er mich damals gefragt hätte. Aber inzwischen sind über 7 Jahre vergangen und wie ich gehört habe, scheint er sich verändert zu haben. Ob das nur an dem Wolfsbann liegt oder an ihm selbst, wird sich zeigen müssen. Es wird sich auch zeigen müssen, wie sein Wolf auf mich reagiert.

 

Bisher hat sein Wolf seine Kontrolle bei mir verloren. Jetzt ist er zwar unter einem Bann, aber wenn ich seinen Worten glaube, dann bin ich… dann.. ich…

 

Mir fällt es immer schwerer zu atmen. Erst jetzt wird mir richtig bewusst, was seine Worte bedeuten. Panisch versuche ich nach Luft zu schnappen. Mein Blickfeld wird kleiner.

 

Das ist der Moment, wo in meinem Kopf ein Schalter umgelegt wird. Ich konzentriere mich auf eine regelmäßige Atmung und fokussiere mit meinem Blick einen Gegenstand, den ich gedanklich in seine Einzelteile zerlege und dies möglichst detailliert.



 

Dies hilft mir, mich wieder zu beruhigen. „Wow, ich hätte nicht gedacht, dass mich der Gedanke so in Panik versetzt.“ flüstere ich leise zu mir selbst. Ich horche in mich hinein und bin erstaunt. Das was mich in Panik versetzt, ist der Gedanke an die Aufgaben, die mir das Rudel vorher schon gegeben hatte und wieder geben wird.

 

Ich will nicht schon wieder die Anlaufstelle für das gesamte Rudel werden, weil sie die Luna nicht nerven wollen, mit ihren kleinen Anfragen. Das würde ich nicht nochmal schaffen. Ich glaube zwar nicht mehr, dass das Rudel sich wieder so benehmen würde. Aber ich weiß auch gar nicht, ob ich die Aufgabe überhaupt machen würde wollen.

 

 

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Kommentare

  1. Oh Fiona… Erinnerungen können manchmal so schön sein, aber gleichzeitig auch verdammt weh tun 🤍

    Auch wenn sich nicht nur Paul sondern auch Fiona definitiv in all den Jahren entwickelt hat… gerade hatte ich das Gefühl die ist wieder zu ihrem damaligen jüngeren Ich zurück gekehrt – hat es nie ganz losgelassen <3

    Super berührendes Kapitel 🤍