Kapitel 19

Fiona

Ziemlich in Gedanken versunke beginne ich also den Tag. Ich ziehe mir Sportkleidung an und gehe runter. In der Küche sitzen alle schon um den Frühstückstisch herum.

Sie grüßen mich freudig, doch ich nicke nur müde. Stumm mache ich mir Brote fertig. Diese tue ich zusammen mit Wasser in einen kleinen Rucksack, der mich nicht stören wird beim laufen. Vor Ort esse ich nur noch eine Banane mit Joghurt. Die Nacht steckt mir noch ziemlich in den Knochen.

Am Rande bekomme ich mit, dass mich alle fragend anschauen, doch Taylor abwinkt. Bevor ich jedoch gehen kann, hält er mich auf „Wenn du eine größere Runde drehst, nimm eine Waffe mit. Die Rogues sind gerade häufiger anzufinden in den Wäldern.“

Ich nicke und lege mir das Holster mit der Pistole, welche Taylor mir schon vorbereitet hinhällt an. „Bis später“ verabschiede ich mich. Draußen dehne ich mich, ehe ich loslaufe.

Zuerst bleibe ich auf den Wegen. Mein Körper muss erstmal warm werden. Tief atme ich die Luft ein. Sie riecht frisch und frei. Mit jedem Schritt den ich laufe, wird mir leichter. Die Schwere, die vorher auf mir lag, fällt immer weiter ab. Meine Schritte werden automatisch immer schneller und schneller. Sie finden ganz natürlich einen Rhythmus.

Irgendwann endet der Weg, beziehungsweise würde er wieder zurück zum Rudel führen, doch da will ich gerade nicht hin, wodurch ich jetzt Querfeldein laufe. Durch mein Training komme ich fast genauso schnell voran, wie auf dem Weg. Mit jedem Sprung über Wurzeln, Bäume oder Löcher wird mein Kopf leerer.

Meine Atmung geht beschleunigt, doch immer noch rhythmisch. Ich merke nicht, wie weit ich laufe oder wie lange. So bemerke ich auch nicht, dass der Wald um mich herum sich verändert. Ich kenne ihn nicht mehr.

Ich fühle mich immer besser, wodurch sich meine Schritte verlangsamen, bis ich schließlich zum stehen komme. Verwundert schaue ich mich um.

Der Wald ist nicht mehr so hell wie am Anfang. Es gibt auch viel mehr Nadelbäume als bei uns. Ich hole mein Handy heraus, doch habe ich keinen Empfang „Wäre ja auch zu einfach.“

„Na dann muss ich meiner eigenen Spur wohl zurück folgen.“ spreche ich weiter zu mir. Suchend blicke ich mich um. „Das ist blöd.“ fluche ich über mich selber. Aus der Richtung, aus der ich kam, finde ich nichts. Keine Fußspuren oder abgebrochenen Zweige. Da ich mir aber sicher bin, gehe ich in die Richtung, in der Hoffnung das es die richtige ist.




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Paul

Unruhig trainiere ich. Irgendetwas stimmt heute nicht. Doch ich kann es nicht genau benennen.

Ich hatte schon die Befürchtung, dass es etwas mit Fiona zu tun hat. Doch ihre Eltern sind ruhig. Dies sollte mich eigentlich auch beruhigen, tut es aber nicht. Das es dann etwas mit dem Wolfsbann zutun hat, ist die einzige Schlussfolgerung.

Der Bann ist dieses Mal auch irgendwie anders. Ich spüre Dust noch, zwar nur ganz schwach, wie unter einer dicken Decke, aber er ist noch da. Er hat so getobt, als er den Wolfsbann wieder abbekam. Plötzlich war für ihn jeder ein Feind, der ihn von seiner Mate fern halten will. Zum Glück hat der Bann verhindert, dass er die Kontrolle übernahm.

Es hat mich 2 Tage gekostet, bis ich wieder zu Dust durchdrang und mit ihm reden konnte. Und noch ein weiterer Tag, bis er verstand, warum Fiona Abstand hält und das Rudel sie vor uns beschützt. Schließlich kann er mir gerade nur mit Gefühlen antworten.

Ich spüre, dass es Dust Leid tut, dass er so reagiert hat, als wir Fiona als unsere Mate erkannten. Da ich aber gerade nicht mit ihm reden kann, weiß ich nicht, was ihn so ausflippen hat lassen.

Während ich mir also den Kopf zerbreche, warum, trainiere ich weiter. Nach einiger Zeit sehe ich Taylor aufgeregt auf mich zueilen. Ich stelle mein Training ein und wische mir den Schweiß mit einem Handtuch ab.

„Was gibt es?“ frage ich ihn, als er bei mir ist. „Spürst du Fiona noch?“ fragt er zurück. Alarmiert richte ich mich mehr auf „Wieso fragst du das?“ „Sie ist vor Stunden zum Joggen aufgebrochen. An sich nicht ungewöhnlich, nur ist sie auch nicht mehr im Rudelgebiet, ihr Handy ist nicht zu erreichen und sonst kommt sie nach ein paar Stunden wieder. Ich mache mir Sorgen. Der Alpha sagte, dass du der Einzige bist, der sie immer finden konnte.“ spricht Taylor.

„Ich Konnte sie immer finden. Wer weiß ob ich das noch kann. Aber ich gehe sie suchen.“ sage ich bedauernd, da ich nicht weiß  ob ich sie noch finden kann. Wir hatten mal so ein starkes Band. Taylor nickt „Komm, dein Alpha lockert deinen Bann etwas, sodass du dich verwandeln kannst, dein Wolf aber nicht die Oberhand übernehmen kann.“ Überrascht schaue ich zu ihm. Taylor zuckt lässig mit den Schultern „Vielleicht habe ich Luna Jade etwas mit meiner Sorge angesteckt und sie dann Alpha Mathias.“




Schmunzelnd beeilen wir uns, zum Alpha zu kommen. Dieser wartet schon auf uns. Er nickt, legt eine Hand auf meinen Kopf und die andere auf meiner Brust. Dann beginnt er einige Worte zu murmeln und ich beiße die Zähne zusammen. Es fühlt sich an, als würden seine Hände in mich eindringen und mein Inneres durchwühlen.

Als er fertig ist, würge ich trocken. „Daran werde ich mich nie gewöhnen.“ murmle ich. Ich mich auch nicht, höre ich Dust geschwächt. „Bringt Fiona wieder zurück.“ höre ich Alpha Mathias. Ich nicke und versuche mich dann zu verwandeln.

Tatsächlich zerreist kurz darauf auch meine Jogginghose und ich stehe als Wolf vor meinem Alpha. Fragend schaut er mich an. Ich neige meinen Kopf und spreche dann über den Mind-Link Der Wolfsbann ist stark spürbar. Dust kann nicht die Kontrolle übernehmen. Ich kann aber wieder mit ihm reden.

Alpha Mathias nickt und zeigt dann auf den Wald.

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Kommentare

  1. Ohje.. ich hoffe Fiona ist nicht versehentlich in das Gebiet der Rouges oder das eines fremden Rudels eingedrungen…

    Paul und Dust werden sie bestimmt finden, so eine starke Bindung, besonders wenn sie Mates sind, geht doch nicht einfach so verloren – hoffentlich :/