Kapitel 20

Paul

Die Bäume rauschen nur so an mir vorbei, während wir der kaum wahrnehmbaren Spur von Fiona folgen. Taylor läuft leicht hinter mir. Er kennt den Wald nicht so, wie ich.

Und doch hab ich tief in mir das Gefühl, dass wir falsch laufen. Je näher wir der Grenze kommen, desto stärker wird das Gefühl. An der Grenze komme ich zum stehen. Mit der Nase tief überm Boden, versuche ich die Spur von Fiona aufzunehmen.

Wir müssen hier lang, spricht Taylor über den Mind-Link. Ich schaue ebenfalls in die Richtung. Sobald ich einen Schritt in diese Richtung tue, schreit mich das Gefühl förmlich an. Ich habe ein ganz schlechtes Gefühl, wenn wir da weiter gehen. Mein Gefühl sagt mir, wir sollten hier lang, höre ich Dust.

Nun schaue ich nach rechts. Tue ich einen Schritt weiter nach rechts, fühlt es sich besser an, so als würden wir dahin gezogen werden. Ich habe das starke Gefühl, dass wir lieber nach rechts gehen sollten, spreche ich zu Taylor. Aber ihre Spur führt nach links weiter!, protestiert er.

Dann machen wir es so, du gehst nach links und ich nach rechts?, frage ich ihn. Taylors Wolf nickt und läuft dann nach links. Pass auf dich auf, wir sind nicht mehr auf dem Rudelgebiet, höre ich ihn noch. Ich schaue ihm noch einen Moment nach, ehe ich nach rechts laufe. Das Gefühl verstärkt sich immer mehr.

Ich spüre unser Mate-Band. Wir kommen Fiona näher, höre ich Dust. Dies lässt mich entschlossener laufen. Jetzt kann ich nur meinem Gefühl folgen. Fiona ist hier bisher noch nicht lang gelaufen.

Mein Ungutes Gefühl verstärkt sich, als ich plötzlich einen lauten Knall höre, wie von einem Schuss. Erschrocken stolpere ich über meine Pfoten und falle. Als ich zum stillstand komme, rappel ich mich vom Boden auf. Dabei kann ich Kampfgeräusche hören.

Fiona! Wie vom Blitz getroffen, laufe ich los. Ihr darf nichts passieren. Ihr darf nichts passieren. Diesen Satz spreche ich wie ein Mantra immer wieder vor mir her. Die Geräusche werden immer lauter.

Dann kann ich Fiona zwischen den Bäumen entdecken. Sie steht da mit einem starken Ast in den Händen und wehrt die Rogues ab. Zwei liegen schon bewegungslos auf dem Boden. Als ich näher komme, sehe ich einen Rogues sich von hinten unbemerkt an Fiona ran schleichen.




Ich sammle nochmal meine Energie und sprinte die letzten Meter. Im Sprung kann ich den Rogues abwehren. Doch scheinbar war er nicht so unbemerkt, wie gedacht. Denn ich bekomme den schweren Ast ab.

So gehe ich mit dem Rogues gemeinsam zu Boden. Hölle, das tut weh, wimmert Dust. Ich schaue zu Fiona, die erschrocken zu mir schaut. Den Rogues den Fiona vorher abgewehrt hatte, kommt jetzt wieder auf Fiona zu gerannt. Mit meiner letzten Kraft stehe ich auf und versuche den Rogues abzufangen. Nach einem gezielten Biss, bewegt sich der Rogues nicht mehr und ich mich auch nicht.

Ich schaue zurück zu Fiona und muss mit Erschrecken feststellen, dass der Rogues sie wohl doch gestriffen hat, denn sie liegt auf dem Boden. Auf dem Boden robbend, ziehe ich mich zu Fiona. Wimmernd stupse ich sie an, ihre Augenlider flackern. Für einen Moment schaut sie mich an „Paul“ flüstert sie kaum hörbar, ehe sie das Bewusstsein verliert.

Panisch suche ich nach einer Wunde, doch kann ich nichts finden. Mein Bauch tut mir auch viel zu sehr weh, als das ich mich groß bewegen könnte. Daher rufe ich über den Mind-Link nach Marlene.

Diese macht sich zusammen mit anderen aus dem Rudel sofort auf dem Weg. Während ich warte, untersuche ich Fiona weiter mit meiner Nase. Aber ich kann nichts finden, was der Grund für ihre Bewusstlosigkeit sein könnte.

Dann kommt ein Wolf durch das Gebüsch gesprungen. Warnend knurre ich, ehe ich Taylor erkenne. Was ist los, was ist passiert? fragt er über den Mind-Link. Ich hab es nicht genau gesehen. Sie lag plötzlich. Ich war nicht schnell genug. Der Rogues muss sie erwischt haben, aber ich kann keine Verletzung finden, erkläre ich ihm leicht panisch.

Taylor verwandelt ich zurück und untersucht Fiona mit den Händen. Ein Knurren kann ich mir gerade so unterdrücken. Es ist das beste, wenn er sie untersucht, außerdem wer weiß, ob ich überhaupt je das Recht haben darf, warnend zu knurren.

Es vergeht gefühlt eine Ewigkeit, ehe Jeeps durchs Unterholz kommen, flankiert von Alpha Mathias und Beta Chris.

Marlene kommt zu uns und untersucht Fiona. „Ich kann hier nichts ungewöhnliches feststellen. Bringt sie in einen der Jeeps und dann zur Krankenstation. So, nun zu dir.“ spricht sie ruhig. Ich will schon protestieren, als Marlene ruhig weiterspricht. „Dein Brustkorb sieht nicht gut aus.“ Vorsichtig tastet sie mich ab. Bei meinen Rippen entkommt mir ein Knurren.




„Es ist gut, dass du dich nicht verwandelt hast. Einige Rippen sind gebrochen. Hättest du dich mehr bewegt oder verwandelt, hättest du dich höchstwahrscheinlich selbst aufgespießt. Dann wäre es dein Ende gewesen. So schnell kann dich dein Wolf mit dem Bann nicht heilen und für mich wärst du zu weit weg gewesen. Wir legen dich jetzt auf die Trage um, ja?“ erklärt sie mir alles und wartet auf mein Einverständnis.

Sachte nicke ich. Zusammen mit dem Alpha und Beta werde ich auf die Liege gelegt. Die Liege wird dann ebenfalls auf den Jeep gebracht und dann geht es im Schneckentempo zurück zum Rudel.

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Es braucht über einen Tag, bis meine Rippe soweit geheilt ist, dass ich mich zurück verwandeln kann. Fiona lag währenddessen im Nachbarzimmer, schlafend. Marlene kann sich nicht erklären, was diesen Schlafähnlichen-Zustand ausgelöst hat.

Ich gehe Fiona immer besuchen, sofern kein anderer da ist, der ihr Gesellschaft leisten kann. Daher bekomme ich es auch mit, als ihre Lider wieder anfangen zu flattern, ehe sie langsam die Augen öffnet. Nebenbei bekomme ich mit, dass Fiona eine silberglitzernde Träne verliert, die im Kissen verschwindet.

Wie verrückt drücke ich den Ruf-Knopf, bis Marlene panisch die Tür öffnet „Was ist passiert?“ Dann fällt ihr Blick auf Fiona. „Fiona, Liebes, wie geht es dir?“ spricht Marlene wesentlich ruhiger. „Gut, schätze ich.“ spricht Fiona kratzig. Sofort reiche ich ihr das Wasserglas.

Scheinbar erst jetzt bemerkt sie mich. Sie starrt mich an. Lange. Ohne zu Blinzeln. Unwohl stelle ich das Wasserglas in ihrer Reichweite ab und stehe auf. „Ich sollte gehen.“ spreche ich leise. An der Tür werde ich jedoch von Fiona aufgehalten. „Warte, ich glaub, du solltest auch erfahren, was ich gerade erfahren habe.“

Neugierig schaue ich zu ihr. Fiona deutet still auf den Stuhl, vorwurfsvoll schaut sie dann auf meinen Arm, der meine Rippen stützt. Mit hängendem Kopf lasse ich mich auf diesem nieder. Dann spricht Fiona „Luna hat mich zu sich geholt.“

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Kommentare

  1. Ohh du machst es spannend! Erst dachte ich kurz die Rouges haben sie irgendwie, mit irgendwas vergiftet oder so… aber das habe ich wirklich nicht erwartet, besonders in diesem Moment!! :0

    Als Grund, warum Luna Fiona zu sich geholt hat fällt mir eigentlich nur Paul und ihre Bindung zueinander ein… aber irgendwie.. kann ich mir grad auch gut vorstellen dass etwas anderes dahinter steckt, ich weiß nur nicht was 😐
    Dieser cut ist fies xD ;(
    😂

    PS: armer Paul, er musste über EINEN Tag warten bis er sich wieder verwandelt und herumgehen konnte 😉 Naja ok, Spaß beiseite, Wölfe sind es wahrscheinlich gewöhnt, dass solche Verletzungen normalerweise innerhalb von wenigen Stunden heilen oder? Das ist dann natürlich trotzdem ne Umstellung…. Hauptsache Paul geht es aber wieder gut 🤍

    1. Anfangs hatte ich das Kapitel so aufgebaut, dass nach dem Zurückbringen zum Rudel schluss war. Was gefällt dir dann besser?😅
      Du bist schon nicht schlecht, da fehlt nur noch eine Sache.

      Und ja, ohne den Wolfsbann wäre es innerhalb von Stunden verheilt, bzw er hätte sich schon früher wieder verwandeln können😉