Kapitel 33

Mit dem vertrauten Geräusch eines entfachten Streichholzes öffnen sich die Augen. Sina entzündet eine Kerze, die sie neben positionierte. Mit einem wissenden Lächeln.

„Du hattest Erfolg.“

Keine Frage. Sondern eine Feststellung. Clive fällt nun der Becher auf, den Sina vor sich stellte. Diesen befüllt sie mit einem Esslöffel ihrer gemörserten Mischung und gießt das Ganze mit warmem Wasser auf. Kaum auf Augenhöhe angehoben, seufzt sie auffällig.

„Vorsichtig, salzig. Die Meeresbohne wird gern unterschätzt. In deiner Heimat wird sehr fad gespeist, daher könnte dich die Brühe überfordern. Doch gerade an kalten Tagen wärmt sie dich von innen und entspannt Körper und Geist.“

In der Tat überwältigt der erste Schluck durch den hohen Salzgehalt. Dennoch wirkt die Brühe frisch und belebend. Er schmeckt sogar eine leichte fruchtige Note heraus. Noch mag die Gewürzmischung gewöhnungsbedürftig sein, aber der gewünschte Effekt tritt ein. Clive entspannt, wie schon lange nicht mehr. Er konzentriert sich auf die Wärme in seiner Brust und dem wohltuenden Moment, begleitet durch Sinas Einsatz. Rhythmische Trommelklänge, die ihn vom ersten Augenblick verzaubern.

 

Die Augen schließen sich, um äußerliche Reize auszublenden. Eine Vibration, die auf seinen Körper übergeht und durch seinen Körper wandert. Glieder fühlen sich mit einem Mal bleischwer an, wie nach großer Anstrengung. Der Wunsch nach Ruhe und Schlaf drängt sich in den Vordergrund. Die vibrierenden Töne der Trommel scheinen sich aufzuladen und verursachen zuerst ein auffallendes Kribbeln in den Beinen. Die Gravitation mag nachzulassen, denn Clive spürt, wie er langsam hinaufsteigt. Seine Augen lassen sich nicht öffnen, um seine Vermutung zu überprüfen. Stattdessen tanzen auffällige Lichter vor seinen Lidern. Das Gefühl der Schwere verfliegt und stattdessen tritt das völlige Gegenteil ein. Mit einer extremen Leichtigkeit und dem Gefühl von langersehnter Freiheit driftet er fort ins Ungewisse. Dort, wohin die Trommelschläge ihn treiben lassen. In einen Sog. Winde weder kalt noch warm. Ein Fluss, indem es sicher anfühlt zu treiben.

 

„Clive, erwache.“

Sinas Stimme klingt nah. Noch immer begleitet von ihren Trommelschlägen. Tatsächlich hält die Strömung inne und Clive befindet sich in einem Zustand des Schwebens. Dabei bewegt er sich nicht von der Stelle. Tatsächlich lassen sich seine Augen öffnen und er findet sich in einem Strudel aus Licht wieder. In keiner vertrauten Umgebung, sondern in gähnende Leere und Dunkelheit, wäre da nicht das Licht, das ihn schützt.



„Clive?“

Sina klingt beunruhigt, woraufhin er ihr antwortet: „Anwesend.“

Er hört sie laut aufatmen, trotz der Trommelschläge. Nur kurz sammelt sich Sina, um ihn schließlich zu leiten.

„Erinnere dich an jenen Ort, wo du Jelko zuletzt begegnet bist. Jedes Detail kann dir helfen. Je klarer deine Erinnerung sein wird, umso stabiler wird der Untergrund sein und das Gerüst kann nicht zusammenbrechen. Aber bedenke, Gefühlsschwankungen können den Zustand ändern. Du kannst die Welt nur aufrechterhalten, wenn dein Geist ruhig bleibt. Daher frage ich dich, wie fühlst du dich?“

„Sicher und so leicht wie schon lange nicht mehr.“

„Gut. Das sind wunderbare Voraussetzungen, um dir einen sicheren Untergrund zu bauen. Sobald du dich erinnerst, wird sich dir der Weg ebnen.“

Ein Erinnerungsgerüst an jenen Ort, wo Jelko sich zuletzt mit Clive traf. Da muss der Alchemist nicht lange überlegen. Jelko war schon immer stolz auf seine Heimat. Der Rundgang durch die Stadt Sternenburg beeindruckte Clive ungemein. Aber die Großstadt zu konstruieren wäre zu viel des Guten, daher konzentriert sich Clive auf das Büro von Jelkos Vater. Ein Zimmer mit Meeresblick. Extrem ordentlich gehalten und strukturiert. Mit einer angenehmen Luftqualität durch das ständige Lüften.

 

Die salzige Seeluft lässt sich bereits schmecken und tatsächlich finden die Füße Halt auf dem steinigen Boden. Nach und nach bauen sich Wände und Möbel vor ihm auf. Alles den Vorgaben entsprechend. Farben und Details kommen zum Schluss. Tatsächlich findet sich Clive in dem bekannten Raum wieder und staunt über den schnellen Ablauf. Alles verlief zu glatt. Trotz Erfolg fehlt von Jelko sämtliche Spuren, daher ruft sich Clive das Erscheinungsbild seines Freundes vor Augen. Tatsächlich entsteht ein auffälliges Flimmern im Hintergrund. Dort, wo der Schreibtisch steht, zeichnen sich Konturen von seinem Freund ab. Doch auch wenn die Form und Größe zu Jelko passen, bleibt es bei einem kurzen Flimmern, das so schnell schwindet, wie es auftauchte.

„Ich bin dort, Sina. Aber von Jelko fehlt sämtliche Spur. Ich dachte zuerst, ich nehme seine Gestalt wahr, doch das, was ich vernahm, ist nun wieder fort.“




„Verstehe. Dann müssen wir jetzt eine Regel vereinbaren. Du darfst deinen Freund nur dreimal beim Namen rufen. Kein viertes Mal, verstanden?“

„Mit welcher Begründung?“

„Deine Rufe können auch von anderen Entitäten wahrgenommen werden. Sowohl von friedlicher, aber auch von böser, Natur. Daher darfst du beim dritten Ruf nicht zu lange an dem Ort verweilen. Du musst deinen Freund laut und deutlich rufen. Gib ihm Zeit, zu erscheinen, oder beginne zu wandern.“

„In Ordnung. Ich nannte ihn bereits beim Namen. Zählt dies als Versuch?“, hinterfragt er mit der Sorge, vorschnell reagiert zu haben.

„Nein, du hast noch immer drei Versuche. Dafür hatte deine Stimme zu wenig Kraft und diente der Kommunikation mit mir. Die Regel, die ich hier aufsetze, gilt zu deiner eigenen Sicherheit, da du für Aufmerksamkeit sorgen wirst.“

Einleuchtend.

 

„Gut, ich werde ihn einmal rufen und ihm Zeit geben, ins Bild zu treten. Misslingt mein Versuch, wechsele ich den Ort. Ein kleiner Spaziergang. Gerade jetzt befinde ich mich im Büro seines Vaters. Draußen erwartet mich der Hafen einer Stadt. Ich werde mich nicht zu weit entfernen und ihn draußen rufen, um schließlich zurück zum Büro zu kehren. Dort wage ich dann den letzten Versuch.“

„Gefährlich, Clive. Damit gibst du Suchern einen Radius. Verbleibe besser im Büro und entferne dich nach dem dritten Ruf hinaus. Sowohl der Gesuchte, aber auch mögliche Jäger könnten sonst zu viele Hinweise über deinen Verbleib erhalten. Bevor du auf den dritten Ruf zurückgreifst, bestehe die Möglichkeit, eine Nachricht zurückzulassen. Du musst nämlich nicht mit Erfolg zurückkehren. Sollte dein Freund verhindert sein oder woanders wandeln, dann wird er deine Botschaft erhalten und kann dich aus eigenem Interesse aufsuchen.“

Das klingt nach einem Plan, womit sich Clive anfreunden kann.

„Gut, dann verbleiben wir so.“

Kaum zu Ende gesprochen, will er nach Jeko rufen, doch Sina kommt ihm zuvor.

„Dein Gemütszustand?“

„Entschlossen und voller Tatendrang.“

„Fühlst du dich sicher?“

„Das tue ich.“

Obwohl Jelko fehlt und der Ort ihm eigentlich fremd sein sollte. Doch daran verschwendete Clive bislang keinen Gedanken und fokussiert sich daher mehr auf die Suche nach seinem Freund.



 

Um sich nicht zu blamieren und sich besser in die vorhergesehene Rolle einzufühlen, stellt sich Clive die vielen Besuche in der Bibliothek des Magisterturms vor. Auf der Suche nach Meister Edin, der Experte für Explosionen. Ein alter Greis, der die Zeit in der Bibliothek gern vergaß. Immer auf der Suche nach neuem Wissen. Meist versteckt in den hintersten Winkel. Und Clive wurde immer aufs Neue geschickt, wenn die Magister nach dem Genie verlangten. Wie in alten Zeiten gleitet der Blick umher und die ersten Schritte voran sind getätigt. Fast, aber nur fast, hätte er sich von der Vergangenheit verleiten lassen und statt nach Jelko zu rufen, hätte er Meister Edin gewählt. Doch der Kopf schaltet rechtzeitig und so ruft Clive kraftvoll nach seinem Freund. Als Antwort erzittert der Boden. Sand rieselt von den Wänden und aus Sorge vor einem Erdbeben zieht Clive bereits seinen Kopf ein. In geduckter Haltung kniet er gehockt am Boden und wartet auf ein Nachbeben, das nicht folgt.

„Sina?“

„Ich bin hier, Clive.“

„Die Welt erzitterte unter meinem Ruf. Muss ich mich sorgen, dass ich das Versteck meines Freundes mit meinem Vorhaben zerstören könne?“

„Sei unbesorgt. Die Welt reagiert auf dich und hat dir geantwortet. Dein Freund wird dich gehört haben, sei dir sicher. Vielleicht nur schwach und er braucht einen Moment, um zu verstehen, was gerade passierte. Aber das klingt, als sei er nicht vor Ort.“

Dafür, dass Sina überfordert mit der Bitte für das Ritual wirkte, klingt sie nun zu gefasst, aber ihre Stimme wird noch immer von den Trommelschlägen begleitet. Daher tastet er sich anders heran.

„Wie kommst du zur These?“

„Dein Freund erschuf sich sein Versteck. Ein Stück Heimat. Ein Teil von ihm verschwindet nie, egal, wohin er wandelt. Daher gibt es immer eine Verbindung. Der Teil, der dich nun registriert, aber nicht mit dir interagieren kann, ruft daher den verlorenen Rest.“

Eine komplexe Thematik, die Clive zu gern später vertiefen mag, aber nicht in jenem Moment.

 

Die Befürchtung wächst, dass es zu keinem Gespräch kommen wird, daher begibt sich Clive vorausplanend zum Schreibtisch. Der Griff zur Feder und Tinte geht jedoch in die Leere. Eine Erfahrung, die er dank Luela schon einmal machte. Jelko lehrte ihn, dieses System auszutricksen. Mit etwas Konzentration auf den Gegenstand sollte der nächste Versuch gelingen, dennoch verlangt allein solch eine Aktion viel Energie und lässt den Geist ermüden. Daher folgt der nächste Ruf nach Jelko. Diesmal weniger kraftvoll. Vielleicht aus Sorge vor dem nächsten Beben oder der fehlenden Fantasie durch die Erinnerung mit der Bibliothek. Obwohl weniger Kraft in seiner Stimme steckte, gewinnt das Beben darauf an Stärke. Reflexartig sucht Clive Schutz unter dem Schreibtisch.



 

„Dein Gemütszustand, Clive?“

Der Angesprochene lächelt milde und fühlt sich elendig, als er sich eingesteht: „Furcht vor den unbekannten Mächten. Das Beben danach war stärker und ich sorge mich, um das Nächste. Hält die Räumlichkeit der nächsten Welle stand?“

„Dein Freund scheint weit gereist zu sein.“ Sina klingt nachdenklich und gleichzeitig beunruhigt. Unruhe, die auf ihn übergehen könnte. „Vielleicht solltest du den dritten Ruf weglassen und es bei einer Botschaft lassen, denn vergiss bitte nicht, dass dein Gedankenkonstrukt einbrechen kann, sobald dein Geisteszustand labil wird. Bevor dir der Boden wegbricht, solltest du tief ein- und ausatmen, um dich zu beruhigen.“

Einen Vorschlag, den er sofort absegnen mag, doch plötzlich öffnen sich die Flügeltüren im Hintergrund und Schritte kündigen einen Besucher an.

„Geduld, Sina. Ich habe Besuch.“

Bewusst wählt er ein Flüstern und zwängt sich unter dem Schreibtisch aus. Cuno würde sich sicherlich sofort zeigen, weil er als Paladin Mut und Stolz besitzt, Clive hingegen versteckt sich feige wie eine Maus und lugt heimlich um die Ecke.

 

Die Hoffnung, Jelko habe ihn erhört, wird sofort niedergetrampelt. Denn statt einem stattlichen Mann wie Jelko wandert ein zartes Geschöpf im Büro umher. Eine junge Dame. Eine, die Rebecca nachahmt und statt Kleider und Röcke auf eine Hose zurückgriff. Kleidung, die jedoch zu hochwertig wirkt. Samt und Seide sprechen für den Adel. Sowie das detaillierte Strickmuster von Rosen mit glänzendem Goldfaden. Trotz geflochtenen Zopfs reicht das fuchsrote Haar bis zur Hüfte. Neugierig erkunden die wasserblauen Augen die Umgebung. Die Augenbrauen werden von einem Pony versteckt, der symmetrisch über der Stirn liegt. Die Bewegungen sind fließend, nicht zurückhaltend, sondern offen für den Kontakt.

„Erschrecke dich bitte nicht.“ Ihre Stimme wirkt unfassbar sanft und freundlich. Weniger rebellisch wie bei Sina. „Ich hörte deinen Ruf. Spreche ich mit einem Reisenden oder mit einem Bewohner?“

Unsicherheit führt zum Schweigen. Clive kann die Fremde kaum zuordnen. Sina warnte vor Trug und Schein. Daher wählt er die Flucht und wählt die sichere Route hinaus, um nicht gesehen zu werden. Doch sein Herz macht einen Aussetzer, als die junge Dame plötzlich neben ihm am Boden kniet und ihm ins Gesicht lächelt.



„Gefunden.“

Sie klingt erfreut, während er vor Schreck das Gleichgewicht verliert und umfällt. Der steinige Boden fühlt sich plötzlich weich an und instabil, so wie Sina es ankündigte. Daher folgt er dem Ratschlag seiner Freundin und atmet einmal tief ein und aus. Dem Jäger erlegen liegt er dennoch auf dem Präsentierteller, doch die Dame mit dem fuchsroten Haar kichert lieblich über den Anblick und reicht ihm sogar die helfende Hand.

 

„Du wirkst bleich. Ist alles gut bei dir?“

Sina wählt einen schlechten Zeitpunkt, auch wenn ihre Sorge ihn ehrt. Sein Gegenüber blick überrascht auf und stellt somit fest: „Sieh an, du reist in Begleitung. Klug von dir.“

Statt zu antworten, rutscht Clive von ihr fern und erhebt sich eigenständig. Sein Gegenüber passt sich seiner Bewegung an und erhebt sich geschmeidig aus der Hocke.

„Deinem Misstrauen zu urteilen, bist du noch auf keinen Reisenden getroffen“, stellt sie fest.

Den Schritt, den sie auf ihn zumacht, den wählt er für die Distanz. Einsichtig bleibt die junge Frau stehen und hebt ergeben die Hände.

„Ich tue dir nichts. Nenn mich Lu. Ich reise viel in der Astralwelt und suche Gleichgesinnte.“

Gleichgesinnte?

Ein Blick in ihre großen Augen voll von Neugier lässt ihn an der Ehrlichkeit ihrer Worte nicht zweifeln, doch sein Gespür hat ihn bereits so oft in Stich gelassen, sodass er zu viele Zweifel hegt. Als erkenne sein Gegenüber das Problem, tritt sie näher. Die Wand fängt Clive ab und ehe er zur Seite weichen kann, schnappt die Dame zu und positioniert seine Hand auf ihrer Brust. Dort, wo das Herz ruht.

„Hörst du? Es schlägt kraftvoll und steht nicht still wie bei den Toten, denen wir begegnen. Ich lebe noch und betrete als Reisende die Welt. Ich bin ein Mensch und erfreue mich bester Gesundheit. Misstraue mir ruhig weiterhin, das ist in Ordnung, aber vielleicht vertraust du mir an, wen oder was du suchst. Ich könnte dir helfen.“

 

Freiwillige Kooperation könnte Clive zum Vorteil werden, daher konfrontiert er sie mit Fragen.

„Also schön.“ Kurz löst er sich aus ihrem Griff, um seine Hand von ihr zu nehmen, um eine aufrechte Haltung anzunehmen, die ihm mehr Professionalität verleiht. Wenigsten etwas Würde nach der beschämenden Runde. „Meine Frage könnte dich vielleicht kränken, doch ich brauche Gewissheit.“



Ein einsichtiges Nicken und sie schlägt vor: „Dann sprich.“

„Bist du eine Hexe?“

Ihre Augen weiten sich und ihre Gefasstheit wird von zarten Winden fortgetragen. Erschüttert seufzt sie und die Stimme zittert, als sie kontert: „Wie kommst du auf solch einen Gedanken? Was mutest du dir zu, mich derart zu beschimpfen! Weißt du eigentlich, wer vor dir steht?“

Ein einfaches Kopfschütteln. „Verzeiht. Der Kleidung zu urteilen, gehe ich von einer Adeligen aus. Doch als Alchemist habe ich wenig Kontakt zu den hohen Kreisen.“

Freudlos lacht die Dame und Tränen rinnen über die Wange. „Ein Alchemist? Natürlich! Ein Mann der Wissenschaft. Sagt, wie stehst du zu Hexen?“

„Du hast nichts zu befürchten.“

Aber er! Allein, wie er mit dem Adel spricht. Doch da sie damit anfing, führt er das Spiel fort.

„Hexen sind in meinen Augen mehr eine Bereicherung. Mit dieser Einstellung habe ich auch leider alles verloren. Meinen Titel, meinen Platz im Magisterturm und meinen Schutz vor dem Gesetz.“

Ihr Starren und die plötzliche Stille lassen ihn jedoch an allem zweifeln. Die Dame, die sich Lu nennt, wirkt, als ergreife sie jeden Moment die Flucht.

 

Lu…

Seine Augen weiten sich und sämtliche Farbe droht er zu verlieren.

„Lu? Etwa die Königstochter Lumiel?“

Ertappt zuckt sein Gegenüber zusammen und presst die Lippen krampfhaft aufeinander. Er mag rebellieren und doch will er sich der Krone angemessen verhalten. Doch kaum geht er auf die Knie, handelt sie und zieht ihn hinauf.

„Nicht! In dieser Welt trage ich keine Krone. Ich bin wie du nur eine Reisende. Meine Herkunft und mein Blut spielen an jenem Ort keine Rolle. Daher liebe ich diese Welt umso mehr. Womit ich dir meine Identität bestätige. Ungern, doch allem zu widersprechen, würde mir nur ein Gerüst aus Lügen bringen, das mich sicherlich begräbt. Sag, Alchemist, was wirst du mit diesen Informationen anrichten?“

Er lächelt bitter, denn was muss das Schicksal ihm wohlgesonnen sein. Lumiel wurde zu einem Ziel, das sie schützen wollen.

„Ich wünsche Euch Sicherheit und Schutz. Ein Leben frei von Sorgen. Ich will Euch nicht schaden.“

„Genug! Keine Förmlichkeiten! Wir begegnen uns hier als Gleichgesinnte. Niemand ist höher gestellt!“, fordert sie streng, um sich schließlich mit der Botschaft zu befassen. „Du wirst mich also nicht als Hexe anprangern?“



„Du hast mein Wort.“

Ein zögerliches Nicken und sie greift in eine Beuteltasche an ihrem Hüftgürtel, um eine goldene Kette hervorzuholen. Ein feingliederndes Band und als Anhänger wurde eine große Münze gewählt mit einem ungewöhnlichen Symbol drauf. Eine fliegende Taube.

 

„Mein Entschluss steht. Hiermit erachte ich dich als würdig. Im Namen der Krone fordere ich deine Anwesenheit auf meinem Bankett. Eine Feier mit sorgfältig ausgewählten Gästen. Ein jeder befasst sich mit der Astralreise. Ich erwarte deine Ankunft in einem halben Monat. Zeige diese Kette am Palasteingang vor und du wirst zu mir gebracht.“

Ihrer Stimmlage zu urteilen, duldet Lumiel keine Widerworte. Doch völlig überfordert blickt er auf, als sie ihm die Halskette in die Hand legt.

„Ich fühle mich geehrt, aber…“

„Das ist ein Befehl deiner zukünftigen Königin!“

Für einen winzigen Moment hält er den Kopf eingezogen wie eine eingeschüchterte Maus, doch dann erinnert er sich an ihre Worte und hebt das Haupt trotzig.

„Eine Drohung, die an jenem Ort Gewicht verliert. Waren es nicht deine Worte, dass wir uns hier als Gleichgesinnte begegnen?“

Ihr darauffolgendes Lächeln wirkt voller Milde.

„Das waren meine Worte“, bestätigt sie stolz, „Und doch würde ich mich über deinen Besuch freuen. Denn ich sehe die Eile in deinem Blick. Ich wünschte, wir können uns Stunden lang unterhalten, doch diese Gelegenheit erhalte ich nicht an jenem Ort, nehme ich richtig an?“

Auch Prinzessin Lumiel beweist eine scharfe Beobachtungsgabe.

„Bedauerlicherweise schon. Bitte entschuldige mich kurz, ich muss einem Freund eine Botschaft hinterlassen. Könntest du dich kurz gedulden?“

„Natürlich.“

Kaum bestätigt wandert sie zum Fenster und lehnt sich neugierig hinaus. Zeit für Clive, um sich auf die Feder zu konzentrieren. Nach zwei Versuchen gelingt ihm der Griff und zu seinem Glück befindet sich leeres Pergament auf dem Tisch, sodass er Jelko einen kurzen Brief verfasst. Eine Botschaft ohne viel Details, doch die Eile steht im Vordergrund. Clive nutzt sämtliche Elemente auf dem Tisch, um das Pergament zu beschweren, sodass die Botschaft Jelko sofort ins Auge springen sollte. Zufrieden tritt er fern. In der Hoffnung, seinem Freund sei wohlauf und ihr Treffen in greifbarer Nähe. Hoffentlich nicht zu einem ungünstigen Zweck. Denn schon am nächsten Tag folgt die Abreise und Rebeccas Befreiung rückt näher.



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