Kapitel 21

Kühl ist die Stimmung.
Kühl die Temperaturen.
Kühl das Herz, als Skyla dem Geständnis ihres Gefangenen lauscht.
Die Räumlichkeit der Leichenhalle erstreckt sich schockierend weit. Organhandel mag erschreckend genug sein, doch der Ritterorden sieht viel mehr Einsatzmöglichkeiten von Gefangenen. Weitreichende Ausbeutung durch Menschenleben. Denn Leichen, die wenig Kontakt mit dem Paranormalen und der magischen Welt hatten, können noch viel mehr Gewinn bringen, denn diese werden nicht einfach entsorgt, sondern zum Zweck der Forschung ausgehändigt und verteilt. Die Leichenhalle wird somit zur Prüfstelle.
Und Emilie?
Sie gehört zu den Kandidaten, die zur Verteilung freigegeben wurde. Doch der Transport würde erst in sieben Stunden erfolgen. Somit lässt sich die Leiche bergen. Auch der Rest der Opfer erhält kein Begräbnis, sondern wird verbrannt.
Reinigendes Feuer – lautet die Rechtfertigung.
Übelkeit wallt in Skyla auf.

Die Gruppe mag einen Gefangenen haben und doch weigert sich der Pathologe, mit ihr zu reden. Die Saat des Bösen soll in Skyla keimen. Allein der Kontakt soll infizieren und verpesten. Daher fordert der Pathologe Abstand und so macht es sich Skyla zur Aufgabe, nach Emilie zu suchen. Ein leichtes Spiel, denn die Akten werden gewissenhaft gepflegt und gelagert. Im Nu erreicht Skyla die Kühlkammer, wo sich ihre liebste Freundin befinden soll. Agnar verharrt an ihrer Seite und betrachtet sie erwartungsvoll. Doch er muss sich gedulden, denn Skyla fühlt sich noch nicht bereit dafür.
„Schwach!“, schimpft ihr Spinnendämon mit einem Ausdruck, der sich der kompletten Verurteilung verschreibt. „Dreh dich um, ich verpacke deine Freundin für den Transport.“
Skyla schluckt schwer und schüttelt sich rebellisch. „Du kannst Emilie nicht identifizieren, denn du bist ihr noch nie begegnet. Die Gefahr zur Verwechslung besteht, dabei haben Emilies Eltern Anspruch auf ihre verschollene Tochter. Ich will ihnen nicht die falsche Leiche überreichen! Außerdem will ich mich selbst überzeugen!“
„Mhm!“
Grummelnd hebt Agnar die Hand und Skyla erbleicht, als seine Macht die Tür zum Kühlfach öffnet. Quälend langsam fährt die Schiene heraus. Laut quietschend. Aber zum Glück befindet sich die Leiche in einem schwarzen Sack versteckt. Auffordernd sucht Agnar ihren Blick, daher schüttelt Skyla flehend den Kopf.




„Gib mir noch einen Moment!“
Die Zähne klappern erbärmlich und unbewusst umschlingen die Arme ihren zitternden Körper.
„Nein!“, folgt Agnars Machtwort und er setzt zur Erklärung an. „Dafür bleibt nicht die Zeit. Der Feind erreicht uns in wenigen Minuten! Entweder du bestätigst mir jetzt ihre Identität oder ich verpacke den Toten einfach. Auf die Gefahr, dass wir die falsche Person transportieren.“

Eine Entscheidung muss her. Obwohl Skyla weiß, wie die Antwort lautet, fehlt ihr der Mut. Ein Schuss lässt sie zusammenzucken. Er klingt nah. Eine Drehung und sie sieht Milan zu ihnen schreiten. Dem Pathologen verpasste er einen Kopfschuss. Die Kälte weicht aus seinem Blick und Mitgefühl macht sich bei ihm breit.
„Ist okay, Süße. Ich übernehme die Identifizierung.“
Eine lieb gemeinte Geste, doch Skyla schmeckt den bitteren Geschmack des Versagens. Daher beruhigt sie ihre Nerven mit einem tiefen Atemzug und tritt eilig an den mattglänzenden Leichensack heran. Ihre Finger zittern jedoch so stark, dass sie die Aufgabe nicht bewältigt bekommt, diesen zu öffnen. Ganz sanft legt Milan seine Hand auf ihre und übernimmt den Part. Allein als die teerschwarzen Locken gesichtet werden, schlägt Skyla die Hand vor dem Mund, um ihr erstauntes Entsetzen zu verbergen. Die Pathologie hat sich nicht mal die Mühe gemacht, ihren Oberkörper zu verschließen.
Wie grauenvoll!
Skyla wünscht sich Faden und Nadel, um diesen Schritt nachzuholen. So kann Emilie nicht an ihre Eltern übergeben werden. Die Finger jucken und ehe sich Skyla versieht, schweben die gewünschten Gegenstände neben ihr in der Luft. Skyla seufzt tief. Diese verdammte Kraft hatte sie schon verdrängt. Nur wegen ihrer Macht wurde Emilie all das angetan. Wut schnaubend schnappt sich Skyla Nadel und Faden, um dies an Agnar zu reichen.
„Du hast doch sicherlich ein Händchen dafür, Agnar. Wenn ich Emilie flicke, dann sieht das so schlimm aus, wie meine chaotisch verpackten Geschenke. Ich will ein saubere Naht!“
Verständnislos betrachtet ihr Dämon sie kurz, um sich schließlich Richtung Tür zu drehen.
„Das muss warten! Der Feind nähert sich!“
„Nein! Kümmere dich drum!“, fordert sie streng und greift hinab in den Leichensack, um Emilies starren Arm zu schnappen. Noch hat ihre Freundin einen solch schönen Teint. Eine gesunde Bräune, die Skyla beneidet. Wenn sich Skyla nicht irrt, erzählte Emilie von italienischen Wurzeln. Norditalien meint sie sich zu erinnern.



Ungeachtet der Kälte, die Emilies Körper ausstrahlt, umfasst Skyla die Hand ihrer Freundin feste.
„Ich bin hier, Emilie. Es wird Zeit, dass du nach Hause kommst. Ich bringe dich zu deinen Eltern.“
Ein Windzug streift ihr Haar und eine Last wirft sich auf ihren Rücken. Skyla meinte eine Umarmung zu spüren. Begleitet von zartem Rosenduft. Ob als ein Parfüm, die Tagescreme oder andere Pflegeprodukte, Emilie liebte den Geruch von Duftrosen, und wählte ihren Einkauf in der Drogerie nach dem Kriterium.
„Wie schön. Du bist gekommen. Nur für mich?“
Emilies Stimme! Ohne Zweifel!
Emilies Umarmung! Ihre Wärme!
Sich umzudrehen und zu vergewissern wäre ein großer Wunsch, den Skyla hegt. Ihrer Freundin einfach noch mal ins Gesicht zu sehen und sich von ihrem Lächeln wärmen zu lassen. Aber die Angst, Emilies Präsenz könne daraufhin verschwinden, hindert sie daran. Daher genießt Skyla den Moment lieber, bis die Tür mit Wucht aufgesprengt wird und Rauch sich am Boden verteilt. Die grauen Schwaden steigen auf. Milan nutzt den Moment und tritt an Skyla heran. Seine Finger erfassen die Halskette, die er ihr schenkte. Eine große Graskugel, umgeben von mehreren Ringen. Eine jede Ebene beweglich und im Zentrum der Kugel ruht eine machtvolle Energie.
„Greife darauf zurück, Süße!“
Er lächelt stolz, vielleicht weil sie sein Weihnachtsgeschenk schätzt. Die Kette, die sie trägt, wurde mit Hexenmagie modifiziert. Dank des Schmucks kann Skyla von Ort und Stelle beamen. Sofern sich der gewünschte Ort im Sichtfeld befindet.

Die Wärme weicht aus Milans Blick, als er sich umdreht. Ein dunkler Schatten wirft sich über sein Gesicht.
„Kommt nur, diesmal lache ich am Ende.“
Als habe Milan auf diesen Tag nur gewartet. Er brennt vor Tatendrang, sowie Mia, die neben ihm schwebt und zuversichtlich lächelt. Bis zu dem Moment, als kleine, blinkende Metallkugeln rein rollen. Agnar unterbricht seine Näharbeit und dreht sich um. Ein Wink und die Kugeln versinken im Erdreich. Zurück bleiben schwarze Rauchschwaden, die aufsteigen. Dabei sah Skyla kurz Panik in Milan aufblitzen. Sicherlich der gemeine Trick, um Mia auszuschalten. Denn schon einmal steckte er im Kampf gegen die Ritter und war gezwungen, den Rückzug anzutreten. Agnars Unterstützung schenkt ihm Selbstbewusstsein. Siegessicher tritt er näher an den Feind und winkt seine Gegner mit beiden Händen provokativ heran.



Agnar legt wenig Wert auf die Reaktion anderer und spricht stattdessen seiner Herrin Mut zu: „Dämonen sind seltene Schutzgeister. Mächtig genug, um eure Lichterwesen zu schützen. Nicht umsonst fürchten sie dich als Bedrohung, Skyla. Denn mit uns bist du zu vielen fähig. Sei unbesorgt. All ihre Technik wird bei höheren Dämonen versagen. Ich lasse nicht zu, dass sie euch ausschalten.“
Agnar mag reden und Skyla versucht ihm, angestrengt zuzuhören. Doch der Kampf wird mitten drinnen bereits eröffnet. Einer der Ritter wirbelt aus dem Nebel. Ausgerüstet mit zwei Schwertern, die Skyla fürchtet. Der Kern dieser Waffen schadet ihresgleichen immens. Eine bloße Berührung mit dem unbekannten Material sorgt für Schmerz und Betäubung. Die Identität der einzelnen Ritter bleibt unter den schwarzen Kutten verborgen. Das lange, dunkle Gewand erinnert mehr an Assassinen, als an ein Bild von stolzen Paladinen. Keine aufwendige Rüstung. Keine Symbole ihres Glaubens. Auch die Farbwahl überrascht.

In der Luft folgt eine Drehung von einem der Ritter, womit mehr Schwung für den nächsten Schlag geholt wird. Es wirkt wie eine beeindruckende Einlage eines Akrobaten. Damit wäre Milan somit gezwungen, blitzschnell auszuweichen, um nicht zerstückelt zu werden. Doch stattdessen bleibt er stur stehen und Skyla eilt nur deshalb nicht zur Hilfe, weil Mia den rechten Arm ausstreckt und diesen bewegt, als würde sie eine Ohrfeige austeilen. Stürmische Winde ziehen heran und die Böe erwischt tatsächlich den Ritter. Doch noch ehe er weggepustet wird, holt Milan zum Schlag aus. Sein Feind hebt schützend die Arme, doch zu langsam, denn Milans Faust kracht in sein verstecktes Gesicht. Der Schlag befördert den Ritter aus der Böe und haut einen weiteren Feind um, der sich verstohlen näherte.

Trotz Rückschlag folgt eine Schnittbewegung noch während des Fluges. Die Klingen des Paladins schneiden durch die Luft. Mit amüsierten Ausdruck weicht Milan gekonnt der Bedrohung aus. Damit gerät Skyla in die Schussbahn. Erneut mischt sich Agnar ein. Seine Fäden ziehen sie rechtzeitig aus der Gefahrenzone. Kaum schlägt der windschneidende Angriff auf die Kühlfächer ein, erbleicht Skyla beim Schadensbild. Der Schnitt säbelte sich durchs Metall. Eine der Türen zu einer Kühlkammer donnert laut hinab, da die Halterung beschädigt wurde.




„Konzentration, Skyla!“, tadelt Agnar sie bissig.
Sein Ruf lässt Milan zurückblicken. Sorge macht sich in seinem Blick bereit, denn er scheint zu erkennen, was passierte. Dem Feind den Rücken zuzukehren erweist sich als Fehler. Ein dritter Paladin gibt in wenigen Sekunden seinen fortgepusteten Kollegen den nötigen Halt, um sicher zu Boden gleiten. Schließlich stürmt er direkt auf Milan zu. Mit der Klinge voran. Doch Mia hat ihre Winde im Griff und pustet diese direkt Richtung Bedrohung. Damit bremst sie den stürmenden Ritter, der gegen die Windstärke tapfer ankämpft. Ein Wurf und Mia wird zum Ausweichen gezwungen. Ein Wurfmesser rast auf Skyla zu, die ihre Macht nutzt und dieses im Flug abbremst. Ihr Magnetfeld schließt die sternenförmige Klinge ein und übernimmt die Kontrolle. So geht das Messer im nächsten Moment direkt zurück zum Absender. Trotz hoher Fluggeschwindigkeit fängt der Paladin dieses und hebt sogar dankend die Hand.

„Dämon! Einstufung auf Kategorie drei!“, folgt der Ruf des Ritters, der Milans Faust schmecken durfte.
Er klingt männlich. Nicht jung, aber auch nicht alt. Breit geschultert und mit auffällig muskulösen Armen. Kaum ausgesprochen beginnt der Fänger des Wurfsterns Latein zu murmeln. Damit wird Agnars Arbeit erneut unterbrochen. Der Spinnendämon zischt laut und dreht sich mit rotleuchtenden Augen um. Seine Bewegungen wirken auffällig schwer.
Auch gegen Dämonen sind sie gewappnet!
Eine Tatsache, die Skyla ärgert und zum Handeln zwingt. Ein Wisch zur Seite und es trifft leider nur einen Ritter. Ihre Macht pfeffert leider die schmalste Gestalt an die nächstbeste Wand und hält ihn dort gefangen.
„Halte ihn da oben fest!“, ruft Milan ihr zu und stürmt voran.
Direkt in die Offensive. All seine Schüsse verfehlen oder werden von den Klingen zerschlagen. Das breitgeschulterte Monster tritt vor, als wolle der Ritter eine eiserne Mauer bilden. Doch die Hitze scheint Boru zu verraten. Der alte Drache schlängelt sich in den Raum und streckt seinen Kopf über den Riesen hinab. Durch sein offenes Maul erhalten sie einen Blick in den leuchtenden Rachen. Skyla fürchtet, Boru plant, Feuer zu speien. Beunruhigt schaut sie rüber zu Milan, der dem Ganzen jedoch wenig Beachtung schenkt und sich lieber auf den anderen Ritter stürzt. Seine Waffe ließ er vorher in den Waffengürtel verschwinden und bringt den Feind mit Schlag- und Beinarbeit zu Fall, um am Ende mit der Faust auf den am Boden liegenden Ritter einzuprügeln. Doch trotz Nachteil fängt dieser die meisten Schläge ab und das, was der Ritter einstecken muss, entblößt ein fürchterliches Grinsen, als habe er schon lange keinen Schmerz mehr gespürt und siehe endlich einen würdigen Gegner in Milan.



Trotz all dem Chaos und der erdrückenden Macht, beginnen die Strophen auf Latein erneut. Diesmal von dem Ritter, den Skyla gewaltsam gegen die Wand drückt. Agnars Atmung beschleunigt sich auffällig und die Hände wandern hinauf zu den Ohren. Schwarze Flüssigkeit tritt aus den Tränensäcken. Fast wie Tinte.
„Beende es, Skyla!“, fleht ihr Schutzgeist in einem aggressiven Ton. Seine Stimme klingt unnatürlich tief und hallt nach.
Automatisch wandern ihre freien Finger hinauf zu Milans Kette. Diese muss nicht mit viel Macht gefüttert werden, daher fällt es Skyla leicht, diese trotz anhaltender Macht zu aktivieren. Damit reißt das Schmuckstück sie direkt zu ihrem Gefangenen. Ihre Faust kracht direkt in die Magengrube des Ritters, der keuchend hinab fällt. Ehrfürchtig tritt Skyla zurück. Vor ihrem inneren Auge sieht sie ihn schon auf sich stürzen, daher holt sie erneut aus und schlägt ihn von sich fort. Direkt zu Boden. Zu ihrem Bedauern rollt sich dieser direkt ab und verkraftet die Rückschläge zu gut.
„Was für Monster!“, rutscht es ihr heraus.
„Ach? Ich bin das Monster? Sagt die Hexe!“, wirft der Kerl ihr an den Kopf.
Er lacht erheitert und schüttelt ungläubig den Kopf. Skyla schnauft und kann nicht anders, als ihn zu korrigieren: „Medium! Ich bin keine Hexe!“
„Spielt das eine Rolle? Du hast einen Pakt mit dem Teufel! Du spielst auf Gott!“
„Es spielt eine verdammt große Rolle!“, protestiert Skyla, „Hexen spielen in einer ganz anderen Liga! Und sie können sich ihre Magie aussuchen! Ich bin mit dieser verfluchten Gabe bestraft und kann diese nur akzeptieren!“
Ein Gespräch beweist sich als fataler Fehler. So wie die Tatsache, dass sich Skyla ihren Zorn kurz hingab. Ihr Feind ist fort. Die Augen erkunden hektisch die Umgebung, doch sie findet den Ritter nicht.
Wie kann das sein? Vor wenigen Sekunden stand er doch da!
Eine Drehung und sie kann mit dem Auge den Tritt verfolgen, der sie hinabbefördert. Skyla landet hart auf dem Rücken und sieht die Klinge über sich aufblitzen. Doch der Ritter erstarrt in der Bewegung. Dadurch, dass Skyla am Boden liegend die Hälfte seines markanten Gesichts zu sehen bekommt, fällt ihr der steife Kiefer auf. Er zischt verärgert und seine Arme zittern stark. Ein Blick zum Schwertgriff zeigt das Spinnennetz, das seine Hände dort kleben lassen. Agnars starke Fäden ziehen den Feind hinauf zur Decke und Spinnen seilen sich von dieser ab. Der Ritter zappelt zuerst, versucht sich strategisch zu schwingen, doch Agnars Freunde befinden sich bereits überall auf seinen Körper und beißen zu. Sein Geschrei erstickt, als ihm die ersten Spinnen in den Mund krabbeln.



Bewusst wendet sich Skyla von dem Bild des Grauens ab und rollt sich zur Seite, um sich dort aufzustemmen. Der stämmige Kerl hat sich tatsächlich Borus Fangzähne gepackt und glaubt mit genügend Kraft in den Armen den Drachen an den Boden zu nageln. Boru wehrt sich knurrend und pustet heißen Dampf hinaus. Die behandschuhten Hände des stämmigen Ritters tragen bereits große Schäden. Aus riesigen Löchern quillt Blut und doch kämpft der Mann eisern um die Kontrolle. Auch Milan befindet sich noch im Ringkampf mit dem anderen Ritter. Die beiden überschlagen sich etliche Male und doch wirkt es, dass Milan die Sache im Griff hat. Zumal Mia die Situation überwacht und bereits Magie in ihrer Hand bündelt, wie die vielen Glitzerpartikel zeigen. Daher will Skyla dem Drachen zur Unterstützung eilen. In ihrem Kopf malt sie einen Plan aus, als plötzlich ein Geräusch über ihr wahrgenommen wird. Direkt aus der Lüftungsanlage. Das Gitter über ihren Kopf springt auf und ein Ritter stürzt mit gezuckter Klinge hinab. Skyla springt gerade rechtzeitig zurück, um nicht aufgespießt zu werden. Irre schnell schwingt der nächste Gast sein Schwert und Skylas Bauchgefühl rettet sie erneut. Kaum zieht sie den Kopf ein, saust die Klinge über ihren Schopf hinweg. Doch der nächste Treffer gehört dem Ritter. Als dieser aus einer Drehung mit einem Sprung Schwung holt, fürchtet Skyla, das genug Kraft steckt, um sie zu zerteilen. Tatsächlich frisst sich die Klinge einen Weg durch ihren rechten Schulterknochen, wird aber gebremst. Das Schwert stoppt auf halbem Wege. Erneut durch Agnars Fäden.

Unter Schock stürzt Skyla hinab. Ihr Schmerzempfinden ist zum Glück ausgeblendet. Doch einfach alles bewegt sich in Zeitlupe. Böse funkeln die Augen des Ritters, als dieser Agnar anvisiert. Mit grimmiger Miene mag er sich sein Schwert zurückholen wollen, da rammt ihn plötzlich Mia. Beide verschwinden aus Skylas Sichtfeld und eine Zeit lang sieht Skyla nur die klinisch weiße Decke über ihr. Sie hört das Blut in den Ohren rauschen. Das Gedächtnis erinnert sich schließlich an Naomis Worte. An ihren geschenkten Zauber und die Visitenkarte. Eigentlich wollte Skyla keinen Gebrauch davon machen. Doch könnte Naomi ihr zur Not auf die Beine helfen? Denn Skyla fürchtet, sie würde sonst mit der Wunde ausfallen. Noch lässt sich der Schaden nicht beurteilen und vielleicht sind die Sorgen unbegründet. Aber zu versagen ist keine Option. Nicht so!



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