Kapitel 4
War es ein Fehler?
Sehr wahrscheinlich!
Doch die Käfigtür steht offen und selbst mit vereinten Kräften werden die Geschwister die Bestie nicht mehr hinter Gitter bringen können.
Was haben sie da bloß geweckt?
Die Nacht war zu kurz, obwohl für Sorgen und Gedanken kein Platz blieb. Denn die Müdigkeit überwog. Und trotz getankten Schlaf spürt Cornelius jeden seiner Knochen. Bis kurz vor Mitternacht durchlebte er die Hölle. Der Sonnenaufgang liegt noch in weiter Ferne, wie ein Blick zum Fenster zeigt und doch weckt ihn diese eisige Mordlust im Hintergrund. Feinde können die Schutzbarrieren nicht passieren und allein das Geräusch, wie ein Bogen gespannt wird, bestätigt Susannes Ankunft. Bei dieser Frau sind seit gestern sämtliche Sicherungen durchgebrannt. Susanne macht keine halbherzigen Sachen und daher bediente sie sich sogar an einem Trank. Raserei, um genau zu sein. Die Wirkungsdauer hielt über Stunden an, und hätte Cornelia ihrem Bruder nicht im Kampf beigestanden, hätte Susanne ihn auseinandergenommen.
Die Furcht wurzelt tief, Susanne bediente sich erneut an das alchemistische Teufelszeug. Doch der Trank soll extreme Nebenwirkungen mit sich bringen – so Susannes Warnung, bevor sie das Zeug auf Ex schluckte. Sein Kissen besitzt ordentlich Volumen. Nun kann er nur hoffen, dass es reicht, um den Pfeil zu stoppen. Susanne wird nicht zögern, daher schnappt er zu und dreht sich mit dem hochgehalten Daunenkissen. Gerade rechtzeitig, denn auch wenn er Susanne nur flüchtig erblickte, schlägt ihr Pfeil bereits mit Wucht auf dem improvisierten Schutzschild ein. Er hält den Atem an und schließt bereits mit seinem Leben ab, als die Spitze sich einen Weg hinaus bohrt. Doch der Plan geht auf und die Bedrohung bleibt in den Daunen stecken.
„Dein Glück, dass dein naives Vorhaben aufging!“, schimpft Susanne, was bedeutet, sie ist bei klarem Verstand und nicht im Zustand der Raserei. Doch ihr Tadel beginnt gerade erst. „Welch eine Schmach, dass du an den Grundlagen der Magie scheiterst! Verstärkungen oder Schutzschilder wären viel effektiver! Sei dankbar, dass ich nicht ernst mache! Wozu besitzt du die Feuermagie, wenn du nur ein winzigen Teil ihrer Möglichkeiten nutzt? Ihr Narren haltet Magie für nichts anderes als Angriffe, dabei gibt es umso mehr Funktionen! Barrierensetzer sind eine Rarität geworden! Selbst einem Magier werden keine zustehen, daher musst du umdenken und dir anderweitig Schutz bauen! Erweitere deine Sicht, deinen Radius und lerne die Mittel richtig einzusetzen!“
„Das schon wieder!“, jammert Cornelius laut und erhascht einen Blick zu Uhr. „Wir haben vier Uhr morgens, Susanne! Sollte ich mich nicht ausruhen?“
„Der Feind ruht auch nicht! Schlafen kannst du, wenn du ins Gras beißt!“
Susanne mag den Bogen verschwinden lassen. Mit einem Zauber. Doch er ahnt, dass es nicht dabei bleibt und hebt mahnend den Finger. Ihr böses Grinsen hingegen verrät zu viel. Das Messer ist schnell gezogen und mit einem Sprung, stürzt sie sich auf ihn. Er kann sich zum Glück rechtzeitig zur Seite rollen und beobachten, wie das Messer die Matratze ersticht.
„Du bist manchmal so geistesgestört, Susanne!“, platzt der Gedanke aus seinem Kopf.
Ein Fehler, denn damit liefert er Brennholz für das Feuer. Bereits der glühende Blick lässt ihn schlucken.
Kaum zieht Susanne das Messer heraus, folgen die nächsten Angriffe. Cornelius stößt sich von der Matratze, doch selbst vom Bett fern, reicht Susanne ein Sprung aus, sodass sie sämtliche Distanz überwindet und ihn angreift, als wolle sie ihm wirklich die Kehle aufschlitzen. Wie geübt konzentriert er sich auf die Abwehr und schafft es sogar, ihr das Messer zu entwenden. Dieses fällt hinab zum Boden und mit dem Fuß befördert er dieses zum Ende des Raums. Eine Sekunde zu lang lag sein Blick auf das Objekt, denn Susannes Tritt folgt mit Schwung und befördert selbst ein Schwergewicht wie ihn hinab zu Boden. Ihr geliebter Bogen aus dunklem Holz mit glühenden Runen, die in dem Giftgrün ihres Kristalls leuchten, materialisiert sich in ihren Händen und der nächste Pfeil wird gespannt.
„Zurück zu den Grundlagen!“, knurrt das Biest. „Forme deine Magie zu deinem Schutz!“
Unmöglich! Seine Stärken liegen nicht in den Grundlagen. Im Gegenteil. Seine Ergebnisse sind beschämend und sorgten sogar dafür, dass Susanne als Vormund gezwungen war in der Schule anzutanzen, um sich die Beschwerden der Lehrkräfte anzuhören. Er kann noch so sehr mit seiner Bärenstärke und der meisterhaften Schwertkunst glänzen, die wichtigsten Zauber für den Alltag und fürs Reisen wollen ihm nicht gelingen. Doch vielleicht beruht dies aufgrund der Tatsache, dass ein Siegel seine Macht als Feuermagier einschränkt. Sofern er nicht in den Diensten der Regierung steht, darf er seine Magie nur eingeschränkt nutzen. Eine These, die er mehrfach ansprach, aber von Susanne immer als Ausrede beschimpft wurde.
Zu seiner Rettung platzt die Zimmertür auf und Cornelia schreitet erbost herein.
„WAS SOLL DER LÄRM?“
„Sondertraining.“
Eine kühle Antwort, die Cornelias Zorn dennoch löscht.
„Ach so“, kommentiert die große Schwester schulterzuckend und befindet sich somit auch schon halb aus dem Zimmer.
Eine kurze Störung, doch genug Ablenkung für Cornelius, um das Fenster zu erreichen. Geschärfte Sinne wie bei einem Werwolf lassen Susanne herumfahren. Ihrem Gehör blieb sicherlich die Entriegelung des Fensters nicht verborgen. Begleitet von einem abgeschossenen Pfeil flieht Cornelius hinaus in die Gartenanlage. Zu seinem Glück befinden sich die Schlafzimmer der beiden Geschwister im Erdgeschoss. Die hohen Büsche lassen ihn untertauchen. Gerade rechtzeitig, denn mit einem seitlichen Sprung katapultiert Susanne ihre schmale Gestalt ebenfalls durch das offene Fenster. Noch während des Fluges bedient sie den Bogen und verfehlt haarscharf. Erst in jenem Moment fallen ihm ihre reflektierten Augen auf, die für einen Zauber der Nachtsicht sprechen. Kaum im sicheren Stand spannt sie erneut den Bogen und allein ihr fokussierter Blick verrät ihm, dass sie ihre Zielperson schon ausfindig gemacht hat. Diese Frau wittert Beute kilometerweit. Ein wahres Monster.
Allein, als er das Gewicht verlagert, knacken die Äste unter seinen Füßen und lassen das Biest böse lachen.
„Du denkst zu viel nach!“, brüllt sie. „Vertrau deinem Instinkt und was sagt er dir?“
„Lauf! Egal, wohin. Nicht fort, sondern sorge für Distanz. Vergiss das Versteckspiel.“
Ehrlichkeit, die sie zufrieden schnauben lässt.
„Gut, damit können wir arbeiten. Dann spute dich besser, bevor ich dich vor deinem Auswahlverfahren verletze!“
Kein Ratschlag, sondern eine Warnung, die er ernst nimmt. Seinem Bauchgefühl nach biegt er rechts am Glaspavillon ab. Ziel ist der Trainingsplatz, um sich von dort ein Übungsschwert zu schnappen. Denn niemals würde er Susanne mit dem Schwert der Feuermagie angreifen. Zu viel Macht steckt in dem Relikt. Der Waffenständer befindet sich in greifbarer Nähe, da registriert Cornelius den nächsten Eindringling. Ein stämmiger Kerl, der auf der Bank unter der kleinen Überdachung ruht. Dort, wo der Waffenständer steht. Ein Mann, der die Konfrontation statt einem Gespräch wählt. Hinter seinem Rücken befindet sich ein Monster von Schwert. Eins, das er mit Schwung zieht und schwingt. Nicht zu parieren würde den Tod bedeuten, daher ruft Cornelius ungern jene Waffe, die ihn vom Drachenvolk geschenkt wurde. Flammen steigen aus seinen Poren und formen in seinen Händen den prachtvollen Zweihänder mit kirschroter Klinge. Eine Waffe geschmückt mit einem Rubin und einem glänzend schwarzen Griff. Ebenfalls ein gigantisches Schwert, womit er den Angriff rechtzeitig blockiert bekommt. Dank der Feuermagie wird das Gesicht des Eindringlings offenbart. Ein älterer Mann mit langem Haar. Auffällig dunkelblau, worin sich die ersten weißen Strähnen verstecken. Wasserblaue Augen, die ebenfalls leuchten und sicherlich mit dem Zauber ´Nachtsicht´ ausgestattet sind. Stutzig macht Cornelius die Kleidung seines Feindes. Mantel und Hose in einem reinen Weiß mit goldenen Elementen. Wenn sich der Vampir nicht irrt, dann spricht die Uniform für das Militär aus der Hauptstadt. Den Paladinen. Und den Auszeichnungen auf der Brust zu urteilen, wirkt es, als habe Cornelius jemanden mit hohem Rang vor sich.
Der Blick des Fremden wirkt kalt und frei von Empathie. Jemand, der nur einen Schritt zurückmacht, um schließlich zum erneuten Angriff auszuholen. Mit solch einer Geschwindigkeit, dass Cornelius kurz Furcht empfindet. Denn sein Gegenüber schwingt solch einen Giganten, als würde er nichts wiegen. Trotz täglicher Schwertkunst schafft es Cornelius, nur drei Schwerthiebe zu parieren, so bleibt er gezwungen, auszuweichen, ohne seinen Gegenüber aus dem Blick zu verlieren. Der Plan, an Distanz zu gewinnen, kann daher nicht umgesetzt werden, da ihm der Feind folgt und sich ihm immer näher aufdrängt. Zum Gegenschlag wird Cornelius keine Gelegenheit gegeben, damit bleibt er in der Defensive gefangen und nur ein Konzentrationsfehler könne ihm das Leben kosten. Nur stellt sich die Frage, wie lange sein Körper dieser Anstrengung ausgeliefert werden kann. Hinter jedem Schlag steckt eine solch monströse Kraft, dass beim Aufeinandertreffen der Klingen sein Körper erschüttert. Die Arme können dieser Belastung nicht lange ohne Folgen standhalten. Und ohne sicheren Stand wird ihn ein solch kräftiger Schlag zu Boden reißen, wo er dem Feind schutzlos ausgeliefert wäre.
Ein weiterer Herzschlag nähert sich. Susanne umrundet das Geschehen. Unbewaffnet, was bedeutet, dieser Mann handelt in ihrem Auftrag. Doch nur, weil sie ins Bild tritt, enden die Angriffe nicht. Der Paladin führt die Schwertparade fort. Begleitet von eisiger Mordlust.
„Die Schwerter der Magier sind zu deinem Glück mit Zaubern aufgewertet. Passive Fähigkeiten. Ein Elementmantel, wodurch dieses Schwert den Angriffen standhält. Noch. Denn deine Waffe schreit um Hilfe. Sie fleht dich an, deine Magie auf die Klinge zu übertragen. Ein zusätzlicher Schutz, bevor die Struktur Schaden trägt. Willst du es an jenen Mann verlieren?“
„Nein! Niemals!“, spricht er den Gedanken heraus, noch ehe er gedacht wird.
Niemals hätte er geglaubt, wie wichtig ihm dieses Schwert sei. Die Aussicht jenes Geschenk zu verlieren, schmerzt so sehr, dass er sich im Inneren ermahnt, nicht an jener Grundlage zu scheitern. Die Feuermagie bereitet ihm große Freude und kann so viel mehr. Sie kann geformt werden. Als Schutzmantel. Doch bislang ließ sich nur Angriffsmagie heraufbeschwören. Eisern mag Cornelius Blickkontakt gegenüber dem Paladin halten, doch sein Geist findet Bezug zu der Quelle der Macht. Der aufgeheizte Kern in seiner Brust. Pulsierend und kraftvoll. Kaum streichelt die Seele über die Flammen, klettert das Feuer hinauf. Für gewöhnlich agiert Cornelius als Sprungbrett und feuert die Macht hinauf. Nun aber packt er zu, bevor die Flammen aufsteigen und sich von ihm lösen. Tatsächlich ummantelt die Feuermagie seinen rechten Arm. Auch auf seinem physischen Körper. Eine Veränderung, die dem Paladin nicht entgeht und tatsächlich springt dieser respektvoll zurück, während Cornelius seine Magie auf sein Schwert feuert. Ein Schutzmantel. Noch instabil, denn durch Lücken brechen Blasen hinaus, die mit Lava gefüllt sind.
Begutachtend tritt Susanne näher heran.
„Mangelhaft!“, schimpft sie.
Heißer Dampf steigt aus Cornelius‘ Mund. Durch die Zähne, da er seine Meinung nicht speien will. Denn das Ergebnis zählt für ihn als ein wahnsinniger Fortschritt. Die Grundlagen bereiten ihn schließlich unfassbare Schwierigkeiten und machen ihm zum Gespött in der Klasse. Auch wenn er Susannes Aktionen nicht immer sofort befürworten kann, bricht er dank ihr Blockaden. Jemand, der sich auf ihre rabiate Art einlässt, kann in einem kurzen Zeitpunkt Großes vollbringen. Etwas, dass seine Schwester erkannte, anders als die Mehrheit der Soldaten, die Susanne ausbildet.
Die Gedanken werden in jenem Moment unterbrochen, denn der Paladin rammt sein Schwert ins Erdreich und kommentiert das Bild ebenfalls.
„Damit können wir arbeiten, Susanne. Zwei Stunden und er sollte den Mantel perfektionieren. Vielleicht kann ich ihm Runen der Schnelligkeit lehren.“
Seine Stimme klingt tief und doch wie ein ruhiges Gewässer. Die Angesprochene schüttelt jedoch den Kopf.
„Runen der Schnelligkeit wären wahrlich ein Segen, doch ich fürchte, du mutest dem Jungen zu viel zu.“
Und das aus ihrem Munde!
Leider liegt diese Frau mit ihrer Einschätzung immer goldrichtig. Die Lehre von Runen gehört ebenfalls zum Schulprogramm, erfordert jedoch Sauber- und Genauigkeit. Sowie einen parallelen Betrieb von komplexen Prozessen. Die Veranlagung für solch hochkonzentrierte Magie fehlt Cornelius. Zumal er bereits Schüler beobachtete, die Erfolg erzielten, sich aber an die neuen Funktionen und Bedingungen nicht anpassen konnten. Wenn der Kopf nicht schaltet, steigt die Verletzungsgefahr. Bei Runen der Schnelligkeit sah er schon einige Schüler in Wände einschlagen, weil der Körper mit dem neuen Schnelligkeitboost überfordert war. Nicht jeder Anwender konnte sich davon erholen. Manche Verletzungen waren sogar tödlich und statt die Verluste zu betrauen, wurde den Toten Schwäche von den Lehrkräften an den Kopf geworfen. In Lunsta zählt Stärke. Kein Mitgefühl, was einen Zusammenhalt äußerst schwierig gestaltet. Die Mehrheit strebt nach Erfolg und terrorisiert Schwäche in sämtlichen Formen. Und dem Bauchgefühl zu urteilen, wird Cornelius sicherlich die mangelnde Umsetzung der Grundlagen immer vor Augen gehalten. Daher schätzt er Susannes Einsatz, auch wenn er jene Frau für kurzzeitig verfluchen könne. Der Schlafmangel könnte ihn während des Auswahlfahrens benachteiligen. Doch als könne er jetzt noch ein Auge zu machen!
Kurz bevor der Gedanke an Runen verfliegt, klammert Cornelius an Hoffnung. Blockaden lösen. Vielleicht könnte er unter der Anleitung vom Paladin auch nur eine Rune der Schnelligkeit anwenden, dann ständen die Siegeschancen höher. Der Geist erwacht zögerlich, denn Cornelius starrt unbewusst den neuen Besucher an. Dieser tritt unbewaffnet heran und zieht seinen rechten Handschuh aus, um die Hand zur Begrüßung reichen. So springen Cornelius all die vielen Narben und Verbrennungen ins Auge. Dieser Mann trägt die Vergangenheit auf seinen Körper. Mit einem starken Griff und einer autoritären Haltung gewinnt er sofort Cornelius‘ Neugier.
„Hauptmann der dritten Division der Paladine. Nenn mich Manfred. Ich diene der Hauptstadt und bin Susannes Ruf gefolgt.“ Die Mundwinkel zucken belustigt und kurz lugt er rüber zu Susanne. „Nachdem mich dieses Monster einfach aus der Bar entführte. Ich hoffe, die Rechnung hast du übernommen, Susanne!“
„Schon erledigt.“ Cornelia tritt aus dem Schatten heraus. „Ich habe mich darum gekümmert.“
„Ah.“ Manfred betrachtet sie kurz. „Das zweite Teufelskind. Susannes Komplizin. Entführungen liegen euch gut.“
Das teuflische Grinsen auf Susannes Gesicht ist ein seltener Anblick, den Cornelius nur zweimal in seinem Leben zu sehen bekam. Nur dann, wenn diese Frau wahrlich Freude empfindet.
„Du bist ein Gewohnheitstier, das kam mir gelegen. Es bleibt immer bei der gleichen Bar und bei der gleichen Uhrzeit.“
Manfred seufzt erschöpft. „Du kennst mich zu gut, Giftschlange!“
„Bruder!“ Cornelia klingt tadelnd. „Dieser Mann darf auf meine Empfehlung das Grundstück betreten. Ich hatte keine Informationen zu den weiteren Abläufen. Ich war nur an der Entführung dieses Mannes beteiligt. Jetzt, wo ich ihn dir offiziell vorgestellt habe, finde ich, dass du einem Gast angemessen gegenüber treten solltest. Geh rein, ziehe dir etwas über. Vielleicht mach dir einen Bissen, denn nun folgt hartes Training.“
Kaum ausgesprochen blickt Cornelius an sich hinab. Er vergaß, dass Susanne ihn aus dem Schlaf riss. Die Kälte der Füße registriert er erst in jenem Augenblick, denn er läuft barfuß und auch ohne Oberteil. Nur in schwarzer Jogginghose steht er den beiden Gästen gegenüber. Doch die haben das Interesse an den Geschwistern verloren und unterhalten sich wie zwei gute Freunde. Eine Gelegenheit, um Cornelias Ratschlag umzusetzen, denn Susanne würde ihm sonst sicherlich keine Gelegenheit geben. Ins Haus hinein folgt ihm seine Schwester.
„Was weißt du über den Paladin, Cornelia?“
Eine Frage voll von ehrlichem Interesse und gleichzeitig die Gelegenheit mehr Informationen zu beschaffen, um sich gegen die nächsten Kämpfe zu wappnen.
Seine Schwester lächelt breit. „Du bist so aufgeschmissen, Bruder! Dieser Mann ist wie Susanne ein Held. Ein Drachenschlächter. Jemand, der für den Kampf lebt und im privaten Leben versauert. Außerhalb der Arbeitszeit wirkt er wie ein Häufchen Elend. Ich habe wahrlich gedacht, Susanne erlaubt sich einen Scherz mit mir. Doch ich habe mich blenden lassen, wie es scheint. Wenn du klug bist, dann durchlöchere ihn mit Fragen und saug als das Wissen auf, was er dir für die Prüfung mitgeben kann. Hoffen wir, Susannes Plan geht auf und du meisterst den Mantel. Noch bevor wir zur Hauptstadt aufbrechen.“
„Und die Runen der Schnelligkeit?“
Cornelius würde wenigstens eine einzige anwenden und lenken können. Doch seine Schwester klopft im kumpelhaft auf die Schulter und bevorzugt das Schweigen. Sie allein hat vier Jahre gebraucht, um ihre zwei Runen zu kontrollieren. Nachtsicht und Schutz. Somit kann Cornelia in tiefster Dunkelheit jagen und bleibt vor Attentaten geschützt. Runen sind passive Begleiter. Einmal gesetzt lassen sie sich kaum entfernen. Oft gebrannt an der gewünschten Stelle. Anders wie Zauber bleiben die Runen dauerhaft und nagen an der Magiereserve. Doch der Anfang der Runenerstellung, die Kontrolle und die Aufrechterhaltung sind Phasen, an den viele scheitern. Selbst nach Jahren. Runenmagie kann von vorteilhaft sein, aber fordert zu Beginn viel vom Anwender. Cornelia war oft sehr unkonzentriert und schlecht gelaunt. Es wirkte sogar auf ihn, als quälten sie Schmerzen. Ein Risiko, was er jederzeit fürs Auswahlverfahren in Kauf nehmen würde, doch rückblickend fürchtet er, dass ihm somit Fehler durch die fehlende Konzentration im Umgang des Schwertes die Chance vermasseln könnten. Ein zweischneidiges Schwert und noch weiß er nicht, wie er sich entscheiden mag.



































































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