Ascardia 3 – Kapitel 10

~Ascardia~
Es war ein ganz eigenartiges Gefühl, wieder mit einem Sattel zu fliegen. Allerdings verstand ich, warum Ayden darauf bestanden hatte.
Immer dann, wenn ich meine Hände von Silber nahm, um den Bogen zu spannen, spürte ich, wie wichtig die Steigbügel und der zusätzliche Halt, den mir der Sattel gab, waren.
»Sehr gut«, rief Ayden, der mich genau beobachtete.
Um niemanden zu gefährden, gab es noch keine Pfeile. Ich sollte lediglich fliegen und dabei den Bogen spannen.
Erst hatte ich nicht verstanden, warum, doch es war wirklich nicht leicht.
Obwohl Silber sehr langsam flog, schaffte ich es doch kaum, mich zu halten und Kraft aufzubringen, um den Bogen zu spannen. Ständig brach ich ab, um mich zu halten oder anders hinzusetzen.
Vermutlich würde ich erst den richtigen Halt suchen müssen, war ich bisher doch ganz anders geflogen.
Ein wenig frustrierte es mich, dass es so lange dauerte, bis ich mich daran gewöhnte. Wir waren jetzt schon mehrere Stunden in der Luft und ich hatte nicht das Gefühl, mich zu verbessern.
Allerdings war ich auch nicht erschöpft genug, um abzubrechen. Auch Silber zeigte kein Anzeichen von Müdigkeit, was wohl daran lag, dass sie die meiste Zeit recht langsam flog.
»Versuch es etwas schneller«, rief mir Ayden zu. Ich wunderte mich noch, warum er nicht mental mit mir kommunizierte, da wurde Silber plötzlich schneller.
Erschrocken schnappte ich nach Luft, hielt mich mit einer Hand fest und positionierte mich schnell um, damit ich nicht fiel.
Ich vergaß immer wieder, dass Silber verstand, was wir sagten. Das hatte schon mehrmals zu unerwarteten Situationen geführt. Jetzt aber genoss ich einen Moment den Wind, der jetzt durch meine Haare sauste.
Silber war nicht nur etwas schneller geworden. Sie flog so, wie wir sonst immer die Insel umkreisten.
Instinktiv folgte ich ihren Bewegungen und vergaß einen Moment, warum ich hier war.
»Der Bogen«, rief Ayden, der mit Nox mehr oder weniger auf der Stelle flog, während ich ihn in einem weiten Kreis umflog.
Ja, stimmt. Diese Übung war dazu da, damit ich das Bogenschießen auf einem Greifen lernte.
Also setzte ich mich zurecht, drückte vorsichtig meine Beine gegen Silber und löste meine Hände von ihrem Fell.




Mein Herz schlug aufgeregt, denn die Angst zu fallen war durchaus da, als ich vorsichtig den Bogen spannte.
Silber flog im Kreis, weshalb ich abschätzen konnte, wie sie sich drehen würde. Ich folgte ihren Bewegungen und bemerkte schnell, dass es bei diesem Tempo tatsächlich einfacher war.
Eine sanfte Brise umspielte meine Sinne, als wäre ich direkt an Cayden vorbeigeflogen.
Nach Luft schnappend, drehte ich mich um, um mich zu vergewissern, vergaß dabei jedoch, dass ich den Bogen noch gespannt hielt.
Die Bewegung kam so natürlich, dass ich keinerlei Probleme damit hatte.
Ayden stieß einen anerkennenden Pfiff aus. »So ist es gut! Nur nicht so viel denken.«
War es das wirklich? Hatte ich mich selbst blockiert, weil ich darüber nachgedacht hatte?
Also versuchte ich, meinen Kopf auszuschalten und mich nur noch auf Silber unter mir zu konzentrieren.
Ich spannte den Bogen in mehreren Positionen und ließ die Sehne los, als würde ich tatsächlich schießen wollen.
Das Zielen würde sicherlich noch zu einem Problem führen, doch erst einmal brauchte ich ein Gefühl dafür.
Anfangs war es wirklich schwierig, doch je länger ich flog, desto einfacher wurde es. Es begann sogar, Spaß zu machen und ich stellte mir imaginäre Gegner vor.
Immer wieder hatte ich das Gefühl, mich umspielte Caydens Aura, doch ich schob es darauf, dass ich ihn vermisste. Ich wollte ihm zeigen, wie gut ich geworden war!
Plötzlich bewegte sich Ayden in meinen Weg, was dazu führte, dass ich ausweichen musste. »Was soll das?«, rief ich, doch Ayden grinste lediglich. Statt zu antworten, wedelte er mit einem Pfeil, was dazu führte, dass ich die Stirn runzelte.
Langsam sank ich zu Boden und Ayden folgte mir. »Wird Zeit, dass wir die Pfeile nutzen.« Das Grinsen in seinem Gesicht ließ mich etwas die Lippen verziehen.
»Ich halte das nicht für eine gute Idee«, erwiderte ich, denn in mir erwachte die Angst, Silber zu treffen.
»Willst du zuerst auf dem Boden starten?«, fragte er, ließ sich aber anscheinend nicht davon abhalten.
Einen Moment zögerte ich, doch dann nickte ich. Wenn Ayden der Meinung war, dass ich bereit war, dann würde ich es versuchen.
Ayden reichte mir den Pfeil, den ich vorsichtig einspannte. »Nicht so viel nachdenken«, erinnerte er mich, zeigte mir aber trotzdem, wie ich mit dem Pfeil umzugehen hatte.




Ich versuchte mich zwar auf diese Erklärung zu konzentrieren, doch ich hatte das Gefühl, beobachtet zu werden, weshalb mein Blick ständig in den Himmel schweifte. Seit der Sache mit Shaeli und Zevrael war ich ein wenig paranoid geworden.
Ayden sah mich fragend an, doch ich schüttelte nur leicht den Kopf. Ich wollte nicht, dass er sich Sorgen machte. Also konzentrierte ich mich auf Aydens Anweisungen und schoss den Pfeil in den nahen Baum. Er traf nicht genau dort, wo ich wollte, doch zumindest verfehlte er den Baum nicht komplett.
»Sieht doch schon gut aus«, bemerkte Ayden, der mich die ganze Zeit intensiv beobachtet hatte.
Manchmal erinnerte er mich sehr stark an Cayden und doch waren sie so unterschiedlich. »Ich habe wirklich nicht erwartet, dass wir heute schon mit Pfeilen üben werden«, gestand er, grinste dabei aber breit. »Du bist einfach viel zu talentiert.«
Ich spürte, wie mir die Hitze in die Wangen schoss. Von Cayden war ich es fast schon gewohnt, ab und an Komplimente zu bekommen, doch von Ayden?
»D-Danke«, stammelte ich, wusste ich doch nicht, was ich dazu sagen sollte. Es bedeutete mir überraschend viel, dass er das so sah.
Eine sanfte Brise umspielte mich plötzlich. Caydens Duft stieg mir in die Nase, doch als ich mich umwandte, konnte ich niemanden entdecken.
Mein Herz schlug lauter und aufgeregter, rechnete ich doch damit, dass er jeden Moment auftauchte, doch es blieb ruhig.
Stirnrunzelnd atmete ich den Duft ein. Es fühlte sich an, als wäre er hier und hätte bewusst meine Gedanken wieder auf sich gelenkt, doch das musste ich mir einbilden.
Um das Gefühl los zu werden, hob ich mit Silber wieder in den Himmel ab.
Kaum war ich in Position, ließ Ayden mehrere leuchtende Ringe erscheinen, die mir als Zielscheiben dienen sollten.
Obwohl ich noch immer das Gefühl des Blickes auf mir spürte, konzentrierte ich mich darauf, die Ringe zu treffen.
Ich war so damit beschäftigt, immer weiter zu schießen, dass ich gar nicht bemerkte, wie die Sonne sich langsam dem Horizont näherte und es dunkler wurde.
Aydens Ringe schimmerten, sodass ich sie auch in der anbrechenden Dunkelheit gut erkennen konnte.
»Das reicht für heute«, rief Ayden schließlich.




Ich stieß den Atem aus und senkte den Bogen. Ein unendlicher Vorrat an Pfeilen war durchaus praktisch, doch das hatte ich Ayden zu verdanken. Ich wusste nicht, wie er es machte, doch ich war mir ziemlich sicher, dass ich es nicht konnte.
»Ich kann noch weiter machen«, rief ich ihm zu, doch Ayden und Nox landeten bereits.
»Willst du nicht lieber mit Cayden Abendessen?«, fragte mich Ayden neckend.
Ohne direkt darüber nachzudenken, landete ich und sprang von Silber. Das ließ Ayden leise lachen, worauf ich nicht einging. »Danke für die Stunden«, rief ich ihm noch zu, als meine Beine mich schon Richtung Anwesen trugen. Natürlich ließ ich mir ein Abendessen mit Cayden nicht entgehen!

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