Kapitel 34
Fiona
Schmunzelnd schaue ich neben mich zu Paul, der nervös das Auto lenkt. „Vielleicht sollte ich doch lieber Auto fahren?“ frage ich erneut, nachdem Paul schlingernd einem Schlagloch ausweicht.
„Aber es gehört sich doch so, dass..“ da unterbreche ich Paul. „Paul“ sage ich nur warnend. Paul seufzt und hält schließlich am Wegesrand an. Während Paul aussteigt und ums Auto geht, klettere ich über die Mittelkonsole.
Als Paul die Beifahrertür öffnet, schaut er verdutzt zu mir rüber „Jetzt lässt du mich dir noch nicht mal helfen?“ Lachend erwidere ich „Ich verspreche dir, auf dem Parkplatz, bleibe ich sitzen.“
Paul steigt ein und spricht „Das will ich auch hoffen.“ Ich fahre also los und wir kommen wesentlich schneller voran, als als Paul am Steuer war. Heute ist der Abend, wo wir, wie vorher schon vereinbart zum Fisch-Restaurant fahren.
Paul hat tatsächlich noch einen Tisch bekommen, Rudelbonus sei Dank. In der Zeit, in der ich nicht da war, hat sich das Restaurant sehr entwickelt und wurde zu dem beliebtesten in der Stadt.
„Wie war dein Tag?“ frage ich Paul um die Stille zu vertreiben. Paul macht ein undefinierbares Geräusch. Ich ziehe eine Augenbraue hoch und schaue kurz zu ihm. Seufzend beginnt er zu berichten. „Ich war etwas abgelenkt beim Training, also hat mich Alpha ein paar Runden laufen lassen.“
Da ich meinen Dad kenne, frage ich nach „Wie viele Runden?“ Paul schaut aus dem Fenster und murmelt leise „100 Runden“.
Grinsend schaue ich wieder auf die Straße. Ja, so ist Dad. Kommt man seiner Pflicht nicht nach, gibt es extra Runden und Paul war wohl sehr abgelenkt.
Als wir schließlich auf dem Parkplatz beim Restaurant ankommen, wundere ich mich, das wir aufgehalten werden. Fragend lasse ich das Fenster runter „Wir haben einen Tisch reserviert und..“ „Das wissen wir Ma’m. Wir parken ihr Auto.“ Mit diesen Worten öffnet er mir die Tür und hält mir seine Hand hin.
Perplex ergreife ich sie und lasse mir von dem Mann raus helfen. Sobald ich draußen neben dem Auto stehe, fällt mein Blick zu Paul, der mich schockiert und etwas verletzt anschaut. Sofort fällt mir mein Versprechen ein. Schuldbewusst gehe ich zur Beifahrertür und öffne sie, um mit Paul zu sprechen.
„Paul du musst mir glauben, dass war so nicht geplant, ich. “ während ich spreche reiche ich ihm unbewusst eine Hand. „Weiß du, ich glaube, wir haben die Rollen getauscht.“ spricht Paul und grinst in sich hinein, gleichzeitig ergreift er meine Hand.
Einen Moment brauche ich, bevor ich seine Worte verstehe. „Na dann komm. Ich bin gespannt, ob der Backfisch noch genauso gut schmeckt wie früher.“ spreche ich und halte ihm meinen Arm hin.
Schmunzelnd ergreift Paul meinen Arm „Das Rudel wird mich damit noch ewig aufziehen.“ murmelt Paul kaum verständlich. Wäre mein Gehör nicht so trainiert, hätte ich es wahrscheinlich nicht verstanden. Daher bleibe ich stehen und frage unsicher „Wir müssen nicht so reingehen.“
Fragend zieht Paul seine Augenbrauen zusammen „Wieso?“ Unwohl frage ich „Du hast doch gesagt, dass du so vom Rudel aufgezogen wirst?“ Staunend spricht Paul „Mal abgesehen davon, dass du mich verstanden hast, solange du glücklich bist, würde ich alles ertragen. Auch wenn mich das Rudel damit aufzieht, dass würde ich immer in Kauf nehmen. Außerdem macht es irgendwie auch Spaß. “ dabei zwinkert Paul.
Gleichzeitig ergreift er wieder meinen Arm und zieht mich weiter zum Eingang. Drinnen werden wir fast sofort zu einem privaten Bereich geführt, wo wir mit den Karten alleine gelassen werden.
Verwundert ziehe ich mir meine Jacke aus, die mir Paul gentlemanlike abnimmt. Auch den Stuhl zieht er mir zurück. „Doch wieder getauscht?“ frage ich scherzend. Paul hebt nur seine Schultern und setzt sich ebenfalls, nachdem er die Jacken aufgehängt hat.
Nun hab ich Zeit und blicke mich um. Hm, diese neumoderne Einrichtung mag ich ja mal so gar nicht. Alles so klar und schlicht, fast schon medizinisch. Da hat es mir früher besser gefallen, mit der ganzen Deko. Da waren teilweise echt coole Stücke dabei und es war gemütlicher.
Paul muss meinen kritischen Blick bemerkt haben, denn er fragt „Gefällt es dir nicht?“ Nun verziehe ich offen das Gesicht „Nicht wirklich. Was ist aus dem gemütlichen Restaurant geworden?“ Paul schmunzelt „Es ist noch da. Aber dann hätten wir eher mittags kommen sollen. Abends wird es zu einem gehobenem Restaurant. Zudem sind wir hier auch in den Privaten Bereichen. Wenn wir vorne im Gastraum wären, hättest du da auch deine Deko.“ Beim letzten Satz zwinkert er mir zu.
Pauls Blick ändert sich. Ehe ich nachfragen kann, kommt jemand zu uns rein, jemand aus dem Rudel. „Paul, du willst lieber im Gastraum sitzen? Ich dachte..“ weiter kann er gar nicht reden, da unterbricht Paul ihn. „Ich weiß deine Geste wirklich zu schätzen, aber jemanden fehlt hier die Deko. Frag doch einfach, ob jemand tauschen möchte, ja?“ „Natürlich.“ spricht er und verschwindet.
Tatsächlich sitze ich keine fünf Minuten später vorne im Gastraum. Die Bezüge der Bänke sind neu, doch ansonsten sehe ich keine größeren Unterschiede. Jeder Platz ist besetzt mit maritimer Deko. So stehen überall Leuchttürme, Anker, Schiffe, Möwen und allerhand anderer Krimskram der mit dem Meer zu tun hat. Doch es wirkt nicht überladen. Überall gibt es etwas zu erkennen und zu finden. Das liebe ich.
Auch die Bilder an den Wänden erzählen eine Geschichte. So gibt es eine Speisekarte aus dem Jahr 1905, Alte Fotografien von Seeleuten und ihren Schiffen. Zudem ist alles in einem sanften blau, beige und weißem Ton gehalten. Ich liebe dieses Restaurant.
Doch ohne Paul hat es sich damals nicht mehr richtig angefühlt, her zu kommen. Daher passt es, finde ich umso besser, dass wir beide nach allen den Jahren zusammen hier sind, für unser erstes Kennenlernen wieder.
































































Ich liebe auch diese kleinen Dekorationsgegenstände – besonders wenn ich griechisch essen geh‘ 🤍