Kapitel 20
Die Kinderintensivstation befindet sich nah der Notaufnahme. Angrenzend der Kinderklinik. Ein Ort, der gegen Skylas Erwartung doch liebevoller Gestaltet wurde. Sonnengelbe Wände bemalt mit niedlichen Tieren begleiten sie auf den Wegen. Es wirkt, als erzählen die Kunstwerke sogar eine Geschichte. Einem abenteuerlichen Fuchs in einem Heißluftballon hat es Skyla besonders mit seiner Knuffigkeit angetan und zaubert ihr ein Lächeln aufs Gesicht.
„Wenn du lächelst, dann bist du unfassbar süß.“
Lukas‘ Ehrlichkeit treibt ihr die Röte auf die Wangen. Die Worte einer Beschwerde liegen ihr bereits auf der Zunge, sodass sie sich schwungvoll umdreht, um mit ihm zu schimpfen. Doch die Pampe bleibt ihr im Halse steckten, als ihr eine Botschaft auf der gegenüberliegenden Wand auffällt.
Bitte hilf mir!
Es sieht nicht nach roter Farbe aus, sondern nach Blut. Die Schrift wirkt hektisch aufgesetzt worden und zerlief, bevor diese trocknete. Beunruhigend ist auch der rote Handabdruck am Ende der Nachricht. Klein und zierlich. Das Schicksal von Jugendlichen erschütterte Skylas bereits, aber wenn ein Kind in die Sache verwickelt wird, dann kann sie mit Sicherheit voraussagen, dass sie an ihre Grenzen stoßen wird.
„Oh bitte! Würdet ihr euch mal zusammenreißen!“, giftet Tessa und fixiert bewusst Lukas an.
Dieser hebt lächelnd die Hände. „Entschuldige, aber es ist doch wahr.“
Tessa rollt mit den Augen und schwenkt ihren Kopf rüber zum Eingang der Intensivstation.
„Euch ist schon klar, dass wir alle drei nicht reingelassen werden? Die Intensiv hat immer begrenzte Besucheranzahlen und Tante Kacie befindet sich ja schon bei Naru!“
Ein berechtigter Einwand, der den ganzen Plan ins Schwanken bringt. Ein Blick auf die Spieluhr von Onkel Hendrik und Skyla fürchtet, allein mit ihrer Mutter konfrontiert zu werden.
„Aufgrund der aktuellen Lage drücken sie bei dir sicherlich ein Auge zu, Tessa. Du kannst Skyla bestimmt als seelische Unterstützung mitnehmen. Aber nur, wenn du mir versprichst, dass du sie vor Kacies Zorn beschützt.“
Lukas‘ Plan hat eine gewaltige Lücke, die Skyla sorgenvoll umdrehen lässt.
„Was ist mit dir? Wir sollten nicht voneinander getrennt werden!“
Ihr Freund belächelt ihren Einwand. „Ich komme klar und warte hier draußen auf euch. Lasst euch nur nicht so viel Zeit.“
Doch Skyla schüttelt hektisch den Kopf. „Zu gefährlich, Lukas. Nachher erwischt es dich!“
Seine Augen glänzen verdächtig und ehe sie sich versieht, überwindet er sämtliche Distanz zu ihr, um seine Hände auf ihre Arme zu legen. Sein Kopf lehnt an ihren und er schließt genussvoll die Augen.
„Deine Sorge ehrt mich, Skyla. Aber ich bin kein direkter Angehöriger und mir geht es ähnlich wie dir. Ich mag dich nicht allein hier draußen warten lassen.“
„Dann soll Tessa allein gehen!“
Ihre Cousine schreckt zusammen. „Was? Nein! Ich bin nur hier, weil ich dir vertraue, Skyla. Ich will meinen Bruder eigentlich gar nicht sehen!“
Der Zorn flammt in Skyla. Tessas Ego ist kaum zu übertreffen.
„Verdammt, Tessa! Er ist dein Bruder und braucht dich!“
Aber ihre Cousine rümpft die Nase, als siehe sie dies anders.
„Ich gehe nur mit dir hinein.“
Unfassbar stur! Skyla verzweifelt. Aber Lukas ist ihr ebenfalls wichtig. Ein Blick zu ihrem Freund zeigt auch seine plötzliche Steifheit. Seine Augenbraue zuckt, als kämpfe er, seine Meinung für sich zu behalten.
„Hey, Lukas.“ Ihre plötzliche Sanftheit überrascht sie selbst. Aber es reicht, um seinen Frust fortzublasen und seine Aufmerksamkeit zu bekommen. „Ich weiß, du magst Agnar nicht. Aber Kai kann ich zur Not als Mitbringsel tarnen. Ich lasse dich nicht allein und mein Spinnendämon enttäuschte mich bislang nie. Er wird dich im Notfall beschützen.“
Die Augen ihres Freundes weiten sich. Skyla kann nicht anders, als seine Spinnenphobie zu belächeln.
„Er beißt dich schon nicht.“
Nichts, was Lukas beruhigt. Er blinzelt und verliert an Farbe im Gesicht. Zwar nickt er zögerlich und doch rührt er sich keinen Zentimeter, als sei er erstarrt. Skyla muss sich von allein lösen und obwohl ihr nächsten Worte ihrem Schutzgeist gelten, lächelt sie ihrem Kindheitsfreund ins Gesicht.
„Pass mir gut auf Lukas auf, Agnar.“
„Verlass dich auf mich, Mensch.“
Ein lässiges Schulterzucken seitens Skyla. „Ich sag ja, auf Agnar ist immer Verlass.“
Skyla hört, wie sich Kai laut räuspert, um seinen Unmut kundzutun. Aber diesen abartigen Bären ignoriert sie gekonnt. Eine Drehung zur Seite und sie hält beunruhigt inne. Die Botschaft an der Wand geriert kurz in Vergessenheit.
„Bitte sagt mir, dass ihr die Schmiererei dort auch seht.“
Skyla deutet auf die betroffene Wand, aber die kritischen Blicke der beiden sprechen nicht dafür. Nun sei es Kai gegönnt, sie zu ärgern.
„Tja, meine Boshaftigkeit. Wie es scheint, findet euch ein Geist interessant.“
Eine Tatsache, aber Spuk auf der Kinderintensivstation wird das Maß sprengen. Skyla fühlt sich nicht mental bereit für solche eine Herausforderung. Besonders nicht nach den aktuellen Schicksalsschlägen.
„Och nö!“ Skyla stöhnt frustriert. „Nicht jetzt! Nicht hier! Nicht heute!“
Kai kichert böse, während Lukas die Informationen verdaut.
„Moment, spukt es hier? Werde ich mit Geistern konfrontiert?“
Doch Kai gibt Entwarnung: „Als wärest du interessant genug für ein paranormales Wesen. Sei nicht albern! Es zeigt sich erneut, dass ich einer würdigen Herrin diene.“
Skyla brummt und ärgert sich laut: „Ich kann nicht auf der Kinderintensivstation gegen einen Geist kämpfen!“
Aber Tessa hat genug davon und packt einfach zu, um Skyla zu ihrem Ziel zu führen.
„Keine Ausreden, kleines, blauhaariges Monster! Du ziehst das jetzt mit mir durch!“
Eine Entführung, die sich kaum stoppen lässt und selbst wenn sich Skyla befreien würde, käme es am Ende auf den gleichen Ausgang hinaus. Daher lässt sich Skyla verschleppen und baut auf Tessas Überredungskünste, die wahrlich überzeugen. Obwohl Naru nur zwei Besuche am Tag zustehen, darf Skyla als seelische Unterstützung ihre Cousine begleiten. Auch wenn sich der Besuch kurz halten soll. Nur unter der Voraussetzung, dass die Handys auf Flugmodus geschaltet werden. Denn die vielen Maschinen auf der Station dürfen von elektrischen Geräten nicht beeinträchtigt werden. Damit wären Lukas und Sina vorerst auf sich allein gestellt. Doch Regeln sind Regeln.































































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